Bild -Zeitung sogar in Russland für Aufregung sorgt. Ende des vergangenen Jahres verursachte das Boulevardblatt empörte Proteste, nach dem Champions League-Spiel des FC Bayern gegen Spartak Moskau. Da hatte sich die Online-Ausgabe von Bild bei den Grafiken für den Live-Ticker vergriffen - und anstelle des Spartak-Emblems das des Kontrahenten ZSKA Moskau ausgewählt. "Wissen die Deutschen eigentlich, gegen wen Sie spielen?", titelte der Sowjetskij Sport , führte das Thema über zwei Seiten aus, forderte die Entlassung des zuständigen Bild-Redakteurs und fragte am Ende: "Würden die Deutschen eigentlich auch AC und Inter Mailand verwechseln?"

Es muss schon allerhand passieren, damit die

Das war einer der Momente, in dem das russische Fußball-Selbstverständnis zu Tage kam. ZSKA und Spartak mit AC und Inter vergleichen, warum nicht? Immerhin ging der UEFA-Cup 2005 an ZSKA, immerhin kicken drei aktuelle brasilianische Nationalspieler in der Liga und immerhin läge Russland vor Deutschland, wenn die UEFA-Fünfjahreswertung keine UEFA-Fünfjahreswertung, sondern eine UEFA-Dreijahreswertung wäre. Und die Nationalmannschaft des Landes wird - immerhin - vom renommierte Guus Hiddink trainiert. Es wird erwartet, dass der gebürtige Holländer die gute alte "Sbornaja" spätestens 2012 zum EM-Titel führt.

So sieht das eigenartige russische Fußball-Selbstverständnis aus. Wer sich mit der sportlichen Situation auseinandersetzt, muss sich nur die jüngsten Ergebnisse im UEFA-Cup (Spartak unterlag Celta Vigo, ZSKA dem israelischen Klub Maccabi Haifa) oder die Mühen der Nationalmannschaft gegen Qualifikations-Kontrahenten wie Mazedonien ansehen. Wer sich auf die Dinge konzentriert, die den Fußball bestimmen, ahnt Schlimmeres: Vorwürfe über Spielabsprachen und gekaufte Schiedsrichter sowie Wettskandale. Die Zuschauerränge bleiben leer und über Geld wird mehr geredet als über Ergebnisse.

Selbst die Verantwortlichen haben die Nase voll. "Wir wollen den russischen Fußball säubern", gab sich Verbandschef Wladimir Mutko in der Winterpause kämpferisch. Doch welche "Putzmittel" er dazu verwenden will, sagte er nicht. Gerade ein schnelles Eingreifen ist notwendig, denn die vergangene Spielzeit bezeichnen viele als "die schwärzeste Saison der Geschichte". Häufig gab es Indizien, die dafür sprachen, dass Spartak und ZSKA, die Spitzenteams der Liga, entweder den Gegner oder den Schiedsrichter kauften. Auch die "positive Bestechung", das Zahlen von Prämien an den Gegner des Kontrahenten, gehört zu den Vorwürfen. Die Schuld wird schnell auf die Referees geschoben. Fünf Schiedsrichter wurden im Laufe der Saison suspendiert.

Betrufsvorwürfe betreffen nicht nur die Elite. Die Mannschaften aus dem Tabellenmittefeld, das treffenderweise "Sumpf" genannt wird, waren mit kuriosen Wettgeschichten zur Stelle. "Bei Spielen mit der Beteiligung von Wladikawkas, Tomsk und Rostow sind wir generell vorsichtig", lautet der Generalverdacht von Konstantin Linew, Direktor einer großen Wettfirma.

Was alle wissen, darf aber nicht geschrieben werden. Der Journalist Wladimir Utkin hatte kurz vor dem Saisonende in der Sowjetskij Sport behauptet, das Spiel zwischen ZSKA und Rostow sei eindeutig abgesprochen gewesen. Der Armee-Klub verweigerte dem Blatt daraufhin Akkreditierungen, klagte an - und bekam aufgrund der dünnen Faktenlage im Zeitungsartikel Recht zugesprochen.