Nachdem sich ein 16 Jahre alter Jugendlicher fast zu Tode gesoffen hat, denkt der Berliner Senat nun darüber nach, sogenannte Flatrate -Partys zu verbieten. Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) sieht dagegen keinen Grund, auf die Forderungen nach einem Alkoholverbot für Menschen unter 18 Jahren einzugehen. An der "Olympiade der Verbote" wolle er nicht teilnehmen, sagte Seehofer am Mittwoch.

Kinder und Jugendliche müssten den richtigen Umgang mit Alkohol lernen und über Gefahren aufgeklärt werden, sagte Seehofer weiter. Ähnliches ist auch von Politikern anderer Parteien zu hören. Berlins Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linkspartei) sagte ebenfalls, Aufklärung und Prävention seien die beste Lösung. Ein Verbot werde das Problem unkontrollierten Alkoholkonsums von Jugendlichen nicht lösen: "Wir müssen stärker auf die gesamtgesellschaftliche Verantwortung aller hinweisen." Gefordert seien Elternhaus, Schule und Betreiber von Kneipen und Freizeiteinrichtungen.

Der CDU-Politiker Bernhard Kaster nannte Bier, Wein und Sekt deutsche "Traditionsgetränke" und "ein Stück Kultur", die er Jugendlichen nicht verbieten wolle. Auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), ist "zum gegenwärtigen Zeitpunkt" gegen das strikte Alkoholverbot für unter 18-Jährige. Es sei wichtiger, die bestehenden Jugendschutzgesetze durchzusetzen. Beim Verkauf von alkoholischen Getränken müssten mehr Kontrollen stattfinden.

Kneipen und Diskotheken veranstalten zunehmend sogenannte All-you-can-drink -Partys, bei der die Gäste einmal bezahlen und dann so viel trinken können, wie sie wollen. Die Sprecherin der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, Christa Merfert-Diete, hält solche Partys für eine "unsägliche Konzeption". Der Deutsche Brauer-Bund nannte sie "Auswüchse einer Minderheit verantwortungsloser Gastronomen"

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