Sepaktakraw ist wahrlich kein Traditionssport in Deutschland. Auch sonst nirgendwo in Europa. Wer hierzulande meint, allein mit dem Zungenbrecher seinen Sport beschreiben zu können, erntet meist Unverständnis und muss seinen Standardsatz herunterrattern: "Wir spielen mit einem geflochtenen Ball drei gegen drei Volleyball mit Füßen auf einem Badmintonfeld" - oder so ähnlich. Also doch einfacher zu erklären als auszusprechen?

Noch vor gut zehn Jahren war es Touristen in Südostasien vorbehalten, sich selbst ein Bild von dem spektakulären Wettkampf zu machen. Wieder zu Hause angekommen, berichteten viele von einem Sport, den die Menschen in Thailand oder Malaysia in Parks und auf Schulhöfen spielen. Stets im Mittelpunkt ein pampelmusengroßer Ball, geflochten aus Rattan - wie daheim Korbstühle - oder aus Hartplastik, den die drei Spieler mit drei Berührungen so auf die andere Seite des Netzes zu befördern versuchen, dass der Gegner ihn nicht bekommt. Die Hände werden ausschließlich benutzt, um dem Aufschläger zuzuwerfen, damit dieser das Spiel eröffnen kann.

Nicht selten erweckt der Anblick der Athleten den Anschein, als würden sie einen kurzen Augenblick in Schwerelosigkeit verharren, wenn sie den Ball möglichst hart und schnell über das 1,55 Meter hohe Netz treten. Sie treffen den Ball nicht nur mit dem Absprungbein am höchstmöglichen Punkt, sondern landen nach einer Art Rückwärtssalto auch wieder auf diesem. Dabei kann das Sportgerät eine Geschwindigkeit um die 140 Stundenkilometer erreichen. Oder sie drücken die luftlose Kugel mit der Fußsohle über die Maschen - Bewegungen, die je nach Ausführung bildhaft als Tiger- oder Adlerkralle bezeichnet werden. Wie beim Volleyball der Zuspieler sorgt beim Sepaktrakraw der sogenannte "Feeder" dafür, den Ball nah ans Netz zu spielen, damit der "Striker" den Spielzug artistisch vollenden kann. Der Versuch, diese Mischung aus Fallrückzieher und Salto zu blocken, endet häufig mit einem Ballabdruck an Wade oder Rücken.

Inzwischen ist das Spiel auch in Europa angekommen. Bälle, Netze und die Leidenschaft für das exotische Spiel fanden ihren Weg aus dem Thailand-Urlaub nach Europa. Zuerst in Deutschland, dann auch in der Schweiz und Frankreich formierten sich Mannschaften. Teams aus Österreich, Italien, Schottland und Ungarn folgten. Mittlerweile gibt es eine europäische Turnierserie, durch die der Europameister ermittelt wird, den bisher stets eine Mannschaft aus Deutschland stellte.

So überlegen die deutschen Teams ihren Gegnern auf dem heimischen Kontinent sind, so müht sich die Nationalmannschaft mit Akteuren aus Elmshorn und Köln bei den Weltmeisterschaften bisher vergeblich, ein südostasiatisches Team zu besiegen. Mit einem sensationellen Satzgewinn gegen Singapur - bei offiziellen Wettbewerben werden zwei Gewinnsätze bis 21 Punkte gespielt - verschaffte man sich zwar Respekt, die Unterschiede zu den Mutterländern ist allerdings enorm, der Rückstand ist kaum aufzuholen.

Schon vor rund 500 Jahren spielte man sich in Thailand, Malaysia, Laos, Indonesien oder Burma einen aus Rattan geflochtenen Ball zum Zeitvertreib oder zum Ausgleich schwerer Arbeit im Kreis herum. Wann sich der Sport zur heutigen Wettkampfform entwickelt hat, ist nicht eindeutig überliefert.