Was so ein Führungswechsel doch alles bewirken kann. Betrat man in den vergangenen Wochen die Parteizentrale der SPD in Hamburg, traf man auf misstrauische, übellaunige, hektische Genossen. An diesem Donnerstag ist die Stimmung aufgeräumter, fast feierlich - trotz Hamburger Nieselregens.

Seinen Anteil an diesem Stimmungswandel hat der designierte Spitzenkandidat der Hamburger SPD. Michael Naumann zeigte sich bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach der Nominierung durch die SPD-Findungskommission überzeugt: Er zweifele nicht daran, die Partei aus der Krise führen zu können und im kommenden Frühjahr Bürgermeister in der Hansestadt zu werden. Die SPD habe lediglich "einen Familienkrach" hinter sich. Dass die Partei in Hamburg sich selbst zerlege, sei falsch, sagte der frühere Kulturstaatsminister und ZEIT-Herausgeber.

"Die Entscheidung, in dieser für die Sozialdemokratie prekären Situation anzutreten, ist mir relativ leicht gefallen", sagte er. Nach der Einladung durch den Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Olaf Scholz, und SPD-Chef Kurt Beck habe er das "innerhalb von sechs Stunden" mit seiner Frau geklärt. Er glaube, Hamburg voranbringen zu können. Schließlich sei er nicht nur Journalist und Publizist, sondern auch Geschäftsführer gewesen und verfüge daher über "eine gewisse Ahnung von der Wirtschaft".

Befürchtungen, er sei als Wahlkämpfer unerfahren und kenne die Parteibasis nicht, wies Naumann zurück. "Ich habe als Student unendlich viele Wahlkämpfe geführt - und alle verloren." 1998 habe er dann den Bundestagswahlkampf mit Gerhard Schröder bestritten, den Naumann nun auch für seinen eigenen Bürgermeisterwahlkampf gewinnen möchte.

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