Was sind die Investoren plötzlich aufgeschreckt: Das Risiko ist nicht verschwunden, stellen sie auf einmal fest, es lag nur lange im Winterschlaf. Doch jetzt ist es aufgewacht und kehrt an die Finanzmärkte zurück, in der Gestalt von Hypotheken an Kreditnehmer minderer Bonität. Subprime mortgages werden solche Darlehen in den USA genannt. Noch vor drei Wochen war dieser Begriff den meisten Investoren kaum bekannt, nun hat er es schon auf die Titelseiten der Finanzzeitungen geschafft. Erstaunt stellen die Anleger fest: Die schon so oft beschriebene Immobilienblase in den USA hat doch noch Aspekte, die bisher kaum beleuchtet wurden.

Schon seit Jahren fürchten einzelne Analysten, diese Blase könnte platzen . So lange wurde davor gewarnt, ohne dass sich die dunklen Prophezeiungen erfüllten, dass viele die Pessimisten nur noch mit einem müden Lächeln bedachten. Das Thema langweilte.

Doch warum reagieren die Märkte ausgerechnet jetzt so heftig, was ist das Neue? Die Behavioral Finance liefert eine Erklärung, wie so oft. Sie liegt im Ansatz der knappen Aufmerksamkeit, der auf gut finanz-englisch auch Limited Attention genannt wird. Die Aufmerksamkeit der Investoren ist ein knappes Gut, lautet die zentrale These. Sie zu wecken, bedarf es eines besonderen Anlasses, so wie in der vergangenen Woche.

Zuvor analysierten die meisten Anleger, Analysten und Ökonomen die Immobilienblase, indem sie ihre Bedeutung für die konjunkturelle Entwicklung der USA untersuchten. Der Mechanismus ging so: Platzt die Blase, sinkt der private Konsum, bislang wichtigster Motor der US-Wirtschaft. Auch die Produktion lässt nach, denn es werden weniger Häuser gebaut als zuvor. Aus dem gleichen Grund kommt es in der Baubranche zu Entlassungen. So weit, so bekannt - diese Gefahr lockte niemanden mehr hinter dem Ofen hervor.

Plötzlich aber tauchte ein neuer Aspekt auf: Für die Banken sind Immobilienkredite kein risikoloses Geschäft mehr. Das erste Institut hat bereits Gläubigerschutz angemeldet. Das macht die Entwicklung auf dem Immobiliensektor zur direkten Gefahr für das Finanzsystem, und plötzlich gilt ihr die gesamte Aufmerksamkeit der Märkte.

Bisher hatten die Banken kaum etwas zu befürchten, wenn sie Hypotheken an Kreditnehmer mit geringer Bonität vergaben. Denn konnte jemand seinen Kredit nicht mehr bedienen, wurde sein Haus einfach zwangsversteigert. Weil die Immobilienpreise stetig stiegen, reichte der Erlös meist, um auch das Darlehen zurückzuzahlen. Das ist nun anders, denn Häuser werden nicht mehr Jahr für Jahr um mehrere Prozentpunkte teurer. Derzeit sinken ihre Preise sogar - und das bringt den Banken, die notleidende Kredite in den Büchern verzeichnet haben, Verluste.