Es wird eng für Alberto Gonzales. Jetzt verlangen nicht länger nur Demokraten den Rücktritt des Justizministers. Am Mittwoch hat sich auch der erste republikanische Senator in die Reihe derer eingereiht, die glauben, Gonzales sei nicht mehr zu halten. Der Präsident äußert seine "Unzufriedenheit" und der Minister spricht von "Fehlern, die gemacht wurden".

Fehler also. Welche genau? Da schweigt sich Gonzales aus. Aber dem Mann kann geholfen werden. Der Sachverhalt ist nämlich einfach. Sein Ministerium hat im Dezember acht von 93 Bundesanwälten entlassen. Das ist einerseits das gute Recht der Exekutive. Bill Clinton entließ, als er ins Amt kam, alle. Genauso der jüngere George Bush. Aber mitten in der zweiten Amtsperiode? Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Wiewohl es sich bei Bundesanwälten in Amerika um politische Beamte handelt, darf ihre Entlassung keine politischen Motive haben. Die Justiz soll unabhängig sein. Weißes Haus und Justizministerium haben das beteuert, sich an eherne Verfassungsprinzipien halten zu wollen.

Doch nun stellt sich heraus: Sie sagten nicht die Wahrheit. Emails, die Mitte der Woche freigegeben wurden, beweisen: Die Entlassung der Bundesanwälte war ein politischer Anschlag und das Weiße Haus zog die Strippen. Denn die Staatsanwälte hatten sich offenbar nicht hinreichend für die politischen Grundüberzeugungen der Republikaner begeistert – drum mussten sie gehen.

Für George W. Bush kommen die Skandale nun in Serie. Die letzten Amtsjahre dürften ungemütlich werden, nicht nur, weil sich seit 2001 quasi naturgemäß einiges angesammelt hat. Vor allem spürt man jetzt den Machtwechsel auf dem Kapitolshügel. Die Demokraten haben als Mehrheitspartei neuerdings das Recht auf Vorladung von Zeugen und Beschlagnahme von Akten. Ermittlung ist Macht. Die spielen sie nun aus.