„Indien ist billig, aber wir sind noch billiger.“ Mit einem freundlichen Lächeln erläutert der Programmierer Sultan-e-alam Khan den Standortvorteil seiner Heimat Bangladesh. Vier Unternehmen sind aus dem viertärmsten Land Asiens auf die Cebit gekommen. An kleinen Stehpulten präsentieren sie die Software, die sie im Auftrag europäischer Firmen erstellen. „IT-Outsourcing“ heißt so etwas im Branchenjargon. Neben den Niedrigstlöhnen wirbt Bangladesh auch mit der Zeitverschiebung. „Wir arbeiten, wenn Sie schlafen“, heißt es in einer Reklamebroschüre.
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Über 3.300 ausländische Aussteller sind zur Computermesse angereist. Taiwan, China und Südkorea stellen die mit Abstand größten Länderkontingente, gefolgt von den USA. Doch neben den großen High-Tech-Nationen sind noch 70 weitere Staaten in Hannover vertreten, darunter ein gutes Dutzend aus der Dritten Welt. Hardware haben sie nicht im Angebot, wohl aber konkurrenzfähige Software.

Und das liegt nicht nur an niedrigen Gehältern. Ecuador zum Beispiel kann schon seit 1999 nicht mehr mit Billiglöhnen für sich werben. Damals wurde die lokale Währung an den Dollar gekoppelt, seitdem ist qualifizierte Arbeitskraft teuer. Dafür kennt man sich in Ecuador mit dem Export von Bananen und Blumen und dem Import von Ökotouristen aus. Genau dies sind die Geschäftsfelder von „Creative Works“, einem Anbieter von Internetdienstleistungen aus der Hauptstadt Quito. „Begonnen haben wir mit der Erstellung von Online-Katalogen für den Schnittblumenhandel“, sagt María Soledad Albán. Die Geschäftsführerin ist persönlich nach Hannover gekommen, um die Werbetrommel für ihr jüngstes Angebot zu rühren. „Das ist ein Extranet, mit dem wir die ecuadorianischen Blumenzüchter und ihre europäischen Kunden unter dem Dach eines einheitlichen Systems zusammenbringen“, erläutert Albán. Von der Auswahl der Blumen über den Lufttransport bis hin zur Abrechnung bildet es die gesamte Produktionskette ab.

Wollte Amir Masoud Oskouilar sich mit einem ähnlichen Produkt auf den Außenhandel stürzen, würde er sich schnell im Gestrüpp von Embargorichtlinien der UNO und der USA verstricken. Seine Softwareschmiede befindet sich nämlich in Teheran und sein Ausstellertisch auf der Cebit am Gemeinschaftsstand Irans. Doch auch Oskouilar hat die passende Nische für die internationale Vermarktung seines Dokumentenmanagementsystems gefunden. „Wir sind nicht Microsoft und wollen es auch nicht werden“, sagt er. Seine Software ist für kleine Unternehmen gedacht, und davon gibt es im Iran sehr viele. Über eintausend von ihnen arbeiten bereits mit Oskouilars Programmen. Den harten Praxistest haben die also schon hinter sich, alle denkbaren Fehler sind längst irgendwo aufgetreten – und beseitigt.
Amir Masoud Oskouilar aus Teheran BILD

„Mit der Globalisierung, dem Internet und den Reisemöglichkeiten ist das internationale Geschäft auch für uns eine Option geworden“, sagt der Unternehmer aus Teheran. Manchmal stellt ihn die politische Isolierung seines Landes vor bürokratische Hürden. Unüberwindlich waren sie bisher nicht. „Politik und Geschäft sollten sauber getrennt bleiben“, meint Oskouilar, der einen Deutschkurs besucht und einige Monate bei Siemens gearbeitet hat. „Am Ende geht es doch immer nur darum, ob man billig und gut ist. Und was das angeht, können wir mithalten.“