Labour wird des Regierens müde; oder zumindest eine wachsende Minderheit der Partei von Premierminister Tony Blair. Einen Beleg dazu lieferte am Mittwochabend die Rebellion von 95 Abgeordneten gegen die Modernisierung der nuklearen britischen Streitmacht .

Nicht wenige in der Partei sehnen sich offenbar zurück nach Zeiten, in denen man hehre Prinzipien hochhalten konnte, ohne die Folgen solcher Entscheidungen tragen zu müssen. In den achtziger Jahren war die Partei schon einmal von einer ähnlichen pazifistischen Stimmung übermannt worden. Damals beschloss Labour, die eigene britische Atomstreitmacht preiszugeben - bedingungslos, ohne Garantie, dass irgendeine andere Atommacht davon Notiz nehmen würde. Schon gar nicht hielt man es für nötig, sich zu fragen, ob eine einseitige nukleare Abrüstung Großbritanniens Stellung beschädigen und seinen Einfluss in der Welt mindern könnte.

Labour lieferte mit jenem Beschluss in den Augen vieler Stammwähler aus der Arbeiterklasse den letzten Beweis dafür, dass die Partei nicht regierungsfähig war. Sie verlor danach vier Wahlen hintereinander, schien für viele unwählbar geworden zu sein. Bis New Labour kam, das alte Programm zerriss und der Partei ein neues, realistischeres verpasste.

Tony Blair, Premier nur noch auf begrenzte Zeit, hat seiner Partei am Mittwochabend eine ähnliche fundamentale Entscheidung abverlangt. Die britische Atomstreitmacht modernisieren oder nicht, stand zur Abstimmung im Unterhaus. Die britischen Atomraketen vom Typ Trident sind in die Jahre gekommen. Sie müssen erneuert oder ganz ersetzt werden. Dringlicher noch ist die Erneuerung der Atom-U-Boote, von denen aus die Trident im Ernstfall abgefeuert werden müssten. Die Vorlaufzeit ist beträchtlich, das Unterfangen teuer. Die Kosten betragen rund 30 Milliarden Euro.

Im Grunde aber ging es um eine noch weiterreichendere Entscheidung: Soll Großbritannien eine Atommacht bleiben oder "mit guten Beispiel vorangehen" und abrüsten? Dieses Argument war von den Labour-Rebellen oft zu vernehmen. Während des Kalten Krieges, angesichts der möglichen Gefahr eines atomaren Angriffs durch die Sowjetunion, seien die Trident zu rechtfertigen gewesen. Heute, in einer völlig veränderten Welt, gebe es keine potenziellen Ziele mehr für nukleare Raketen. Sie seien folglich nicht mehr als ein kostspieliges Machosymbol.