Der vergangene Winter war weltweit der wärmste seit 1880. Berechnungen der US-amerikanischen Wetterbehörde NOAA zufolge lagen die Durchschnittstemperaturen von Dezember bis Februar etwa 0,7 Grad Celsius über dem Mittel des vergangenen Jahrhunderts.

Für die Wissenschaftler der NOAA bestätigt das den Trend der Erderwärmung: Pro Jahrzehnt sei die weltweite Durchschnittstemperatur um 0,06 Grad gestiegen. Im selben Atemzug verweisen die Autoren auf den neusten UN-Klimabericht, der den Menschen eine Hauptschuld an der Erderwärmung zuweist.

Doch ist der Zusammenhang zwischen warmem Winter und Klimawandel belegt? "An einem einzelnen Winter kann man niemals den Klimawandel festmachen", sagt Christian-Dietrich Schönwiese, Professor für Meteorologie an der Universität Frankfurt. Jedoch sei unbestritten, dass es in den vergangenen Jahrzehnten global immer wärmer geworden sei. Nach den Angaben der US-Behörde lagen die zehn wärmsten Winter seit 1880 in den letzen zwölf Jahren.

Andere globale Datenreihen zeigen denselben Temperaturanstieg. In einer Studie für das Umweltbundesamt berechnete Schönwiese, dass etwa 60 Prozent der Temperaturveränderung menschengemacht sind. Zwanzig Prozent gingen auf natürliche Faktoren wie Sonnenaktivitäten, Vulkanismus oder das Wetterphänomen El-Niño zurück. Weitere zwanzig Prozent seien unerklärbare Schwankungen.

Gerade die Wechselhaftigkeit des Wetters mache es schwierig, die neuen NOAA-Daten einzuschätzen, sagt dagegen Gerhard Müller-Westermeier, der beim Deutschen Wetterdienst (DWD) für die nationale Klimaüberwachung zuständig ist. "Die Zahlen passen natürlich in unser Bild von der Erderwärmung", sagt der Meteorologe. "Und so weit wir wissen, kommt sie durch menschlichen Einfluss zustande." Doch der Trend sei von Temperaturfluktuationen überlagert. Und die gingen nicht nur nach oben, sondern auch mal nach unten. So sei der vorletzte Winter in Deutschland eigentlich zu kalt gewesen: Mit einem Mittel von minus 0,7 Grad lag er deutlich unter dem langjährigen Durchschnittswert von plus 0,2 Grad. Der Winter 2006/2007 hingegen brach alle Wärmerekorde: Mit plus 4,4 Grad wurden die höchsten Temperaturen seit Beginn der Aufzeichnungen 1901 gemessen.

Sorgen machen dem Meteorologen weniger solche zeitlichen Schwankungen. "0,7 Grad mehr als im langjährigen Mittel, das klingt für sich noch nicht nach einer Katastrophe", sagt Müller-Westermeier. Doch auch die 0,7 Grad seien ein Durchschnittswert – und zwar über alle Regionen der Welt. In der nördlichen Hemisphäre sind die Abweichungen gemäß den NOAA-Berechnungen viel größer, teilweise bis zu plus fünf Grad. Das habe Folgen, sagt DWD-Meteorologe Müller-Westermeier: Wenn auf großen Flächen die Schneefallgrenze steige, heize sich der unbedeckte Boden durch die Sonneneinstrahlung um so mehr auf. So verstärke sich die Erwärmung selbst. Ein Prozess, der wenig kontrollierbar ist - und deshalb vielleicht nicht zu Unrecht alte Kinderängste heraufbeschwört: Erst verschwindet der Schnee. Und dann der Winter.