Himmel, hat die Frau Energie. Redet wie ein Wasserfall. Sagt ohne Umschweife, was sie denkt und fühlt. Nimmt ihr Gegenüber stets frontal und macht sich gern auch mal unbeliebt. Das ist nicht die beste Strategie im Kampf um die Gunst von Millionen – trotzdem liegen sie ihr zu Füßen. Und es sind gerade die Freunde schwarzer Musik, obwohl Joss Stone doch ganz und gar weiß ist und aus England. Joss Stone – Millionen liegen ihr zu Füßen. Hören Sie sie hier im Gespräch mit Matias Boem

Ihre Musik reanimiert den Soul der Sechziger und Siebziger, den Klang Aretha Franklins und James Browns. Mischt ihn mit dem Hip Hop von Leuten wie De La Soul und The Roots . Und gründet das alles auf eine Stimme, die schon sensationell war, als das Gör noch pubertierte. Was ja so lange noch nicht her ist.

Gleichaltrigen Jungs macht sie Angst, die Manager ihrer Plattenfirma lehrt sie das Fürchten. Zwei Alben lang musste sie Kompromisse eingehen, die sie noch heute schmerzen. Damit soll nun Schluss sein. Ihr neues Album Introducing Joss Stone soll niemand anderen zeigen als sie selbst. Die pink gefärbten Haare – von ihrer Plattenfirma als Marketing-Unglück eingestuft – waren nur der Anfang.

Joss Stone sagt: „Vergiss meine Haarfarbe, meine Kleidung und all die anderen Äußerlichkeiten. Achte nur auf meine Stimme. Höre mir zu und verstehe, was ich sagen will. Es geht mir nur um die Aussage und um Authentizität. Alles, was ich von jetzt an mache, muss mir hundertprozentig gefallen. Egal, was mich das kostet. Schließlich stecke ich mein Leben in meine Kunst.“ Die Plattenfirma will sie blond, Joss Stone färbt sich pink

Also gibt es in ihrer Musik keine Herrscher mehr neben ihr. Dritte durften diesmal nur auf ihre Einladung dazukommen. Lauryn Hill von den Fugees ließ sich monatelang bitten. Immer wieder, erzählt Joss Stone, habe sie Lauryns Mutter angerufen, fast täglich. Bis die ihre Tochter schließlich überzeugte. Mit ihrer Hartnäckigkeit gewann sie auch Common , eine Lichtgestalt aus der teils recht düsteren Hip-Hop-Szene.

Wenn sie ihre Musik ins Bild rückt, hat Joss Stone ebenfalls die Hosen an. Das kann auch heißen: gar nichts, wie auf dem Plattencover, auf dem sie als bemalte Nackte zu sehen ist. Sexuelle Ausbeutung? Nichts da. Sie wollte es so.

Hören Sie hier Joss Stone im Gespräch mit Matias Boem – und dazu Beispiele ihrer Musik

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