Im "marokkanischen Kulturkreis" sei eheliche Gewalt durchaus üblich. Mit dieser Begründung wies eine Frankfurter Richterin eine vorzeitige Scheidung ab . Eine deutsche Frau marokkanischer Herkunft hatte diese noch vor Ablauf des obligatorischen Trennungsjahres beantragt, nachdem sie von ihrem marokkanischen Mann misshandelt worden war. Bei ihrer Ablehnung berief sich die Richterin auf die Sure 4.34 des Korans und argumentierte, demnach könnten Männer aus einem Land wie Marokko ihre Frau schlagen, wenn diese ungehorsam sei. Ungehorsam könne nach der Argumentation der Richterin schon dann vorliegen, wenn die Frau einen westlichen Lebensstil pflege. Der Fall wurde ihr nun vom Frankfurter Amtsgericht entzogen. Im Namen Allahs ergeht folgendes Urteil

Die Argumentation der Amtsrichterin hat parteiübergreifend Proteste ausgelöst. Politiker, Muslime und Juristen kritisierten die Richterin scharf.

Eine Sprecherin des Zentralrats der Muslime sagte, die Richterin hätte auf der Grundlage des Grundgesetzes und nicht gemäß dem Koran entscheiden müssen. Auch das Netzwerk muslimischer Frauen HUDA erklärte in Bonn, deutsche Gerichte sollten sich bei ihrer Urteilsfindung auf Verfassung und Grundgesetz stützen und die Auslegung kritischer Koranverse Fachleuten überlassen.

Die Präsidentin des Juristinnenbundes, Jutta Wagner, sagte: "Das ist ein entsetzlicher Vorfall, gerade weil wir uns bei den Migranten für eine stärkere Akzeptanz unserer Regeln einsetzen." Zwar könne auch einer geschlagenen Frau das Verstreichen des Trennungsjahres zugemutet werden. Aber der Verweis auf den Islam sei "nicht akzeptabel". Bundesjustizministerin Brigitte Zypries bewertete die amtsrichterliche Rechtfertigung ehelicher Gewalt bei Muslimen indes als Einzelfall: "Es gibt immer mal wieder Urteile, die einem völlig unverständlich erscheinen."

Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) sagte: "Die Einlassungen der Richterin sind so unerträglich, dass dies auch nicht mehr ansatzweise als eine nach Recht und Gesetz mögliche Entscheidung angesehen werden kann." Das Grundgesetz habe hierzulande für jedermann zu gelten. Zugleich forderte er: "Wir müssen die Frage des Kampfs gegen die Unterdrückung der Frau im Islam offensiver angehen." CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla sagte: "Wenn der Koran über das deutsche Grundgesetz gestellt wird, dann kann ich nur sagen: Gute Nacht, Deutschland."

Der Grünen-Fraktionsvize im Bundestag, Christian Ströbele, zeigte sich entsetzt über den Fall. Eine deutsche Richterin sei dem deutschen Recht und Gesetz verpflichtet, sagte Ströbele und fügte hinzu: Die schwere Misshandlung eines anderen Menschen ist hier zu Recht als Körperverletzung unter Strafe gestellt. Ströbele forderte in solchen Scheidungsfällen die Härtefallregelung anzuwenden, wonach das Trennungsjahr nicht eingehalten werden muss.

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