Der Europa-Chef von Siemens, Johannes Feldmayer, war am Dienstag während einer Razzia in Büros des Konzerns verhaftet worden. Er ist das erste amtierendes Vorstandsmitglied von Siemens, das in Zusammenhang mit den Korruptionsermittlungen in Untersuchungshaft sitzt. Feldmayer steht unter Verdacht, Millionenzahlungen veranlasst zu haben, mit denen sich das Unternehmen das Wohlwollen von Betriebsräten gesichert haben soll. Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung wird in diesem Zusammenhang nun auch gegen den ehemaligen Finanzvorstand und Aufsichtsratschef Karl-Hermann Baumann ermittelt.

Baumann, Feldmayer und weitere Führungskräfte sollen nach Informationen der Zeitung dafür verantwortlich sein, dass der Nürnberger Unternehmer und frühere Siemens-Betriebsrat Wilhelm Schelsky seit 2001 fast 34 Millionen Euro Beraterhonorare erhalten habe, ohne angemessene Gegenleistungen zu erbringen. Schelsky sitzt bereits seit längerem in U-Haft. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth bestätigte weiterführende Ermittlungen gegen mehrere Mitarbeiter der Siemens AG. Die Beschuldigten seien "aus der Sicht der Staatsanwaltschaft verdächtig, sich der Untreue zum Nachteil der Siemens AG schuldig gemacht zu haben".

Laut bisherigen Ermittlungen soll im Rahmen der gesamten Schmiergeldaffäre eine Gruppe von teils ranghohen Siemens-Mitarbeitern mindestens 200 Millionen Euro unterschlagen und im Ausland als Schmiergeld eingesetzt haben. Siemens selbst geht sogar verdächtigen Zahlungen von bis zu 420 Millionen Euro nach. Die Ermittlungen zum Betriebsrat stehen allerdings nicht in direktem Zusammenhang mit den bisherigen Untersuchungen. Dabei geht es um Zahlungen, mit denen Aufträge im Ausland erkauft worden sein sollen.

Im Zuge der Affäre hat es bereits zahlreiche Durchsuchungsaktionen gegeben. Bislang waren bereits die ehemaligen Vorstände Thomas Ganswindt und Heinz-Joachim Neubürger als Beschuldigte in die Affäre verwickelt, soweit sie sich auf mögliche Unregelmäßigkeiten in der früheren Festnetzsparte bezog. Ganswindt saß dabei vor Weihnachten - wie nun Feldmayer - in Untersuchungshaft.

Der Finanzexperte Wolfgang Gerke bezeichnete die Verhaftung Feldmayers als einen immensen Imageschaden, der auch über Siemens hinausgeht. "Es ist keine Entschuldigung, dass man sagt, den anderen Unternehmen passiert so etwas auch."

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