Mit seinen Freundesstaaten hat es Russland oft nicht leicht. Sie verhelfen den Moskauer Außenpolitikern zwar zur Weltgeltung, machen aber auch manchen Ärger – wie Iran. Die Sturheit des Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, der sich der internationalen Forderung nach einem Abbruch der Urananreicherung nicht beugt, erschöpfte zuletzt sogar den russischen Langmut. Gemäß anonymer Quellen aus der Regierung hat der Vorsitzende des Sicherheitsrates Igor Iwanow dem Iran mitgeteilt, dass Russland so lange keinen Brennstoff für das Atomkraftwerk im iranischen Buscher liefern werde, bis die Anreicherung eingestellt sei.

Die Frustration in Moskau ist spürbar, denn Teheran stellt grundsätzlich den russischen Einfluss auf die internationalen Konflikte infrage. Mit der Resolution des UN-Sicherheitsrats vom 24. März hat auch Russland Iran eine durch die Abschwächung der Sanktionen allerdings gemilderte Drohung zukommen lassen.

Iran ist für Russland ein geopolitisch und wirtschaftlich bedeutsamer Nachbar am Kaspischen Meer. Moskau hat aus Enttäuschung über die Zusammenarbeit mit dem Westen und in seiner Fixiertheit auf den Konkurrenten USA die Multivektorpolitik wiederentdeckt. Sie soll das Land unter den Großen der Welt nicht nur als Energielieferanten, sondern auch als diplomatischen Brückenbauer nach Zentralasien und zum Mittleren Osten platzieren.

Iran gilt dabei als Schlüsselstaat zur Eindämmung des amerikanischen Einflusses. Die Regionalmacht könnte nach einem Zusammenbruch des Iraks zusätzlichen Einfluss gewinnen. Moskau liegt an einem einvernehmlichen Verhältnis, zumal das Störpotenzial des Mullah-Staates, in dem mehr als 20 Millionen ethnische Aserbaidschaner leben, von der zentralasiatischen Republik Tadschikistan über Aserbaidschan bis zum Völkermobile des Nordkaukasus reicht.

Bei der künftigen Aufteilung der Energieressourcen im Kaspischen Meer und dem Aufbau einer Gas-OPEC spielt Iran eine Schlüsselrolle. Der knapp eine Milliarde Dollar teure Bau des Atomkraftwerks von Buscher erleichterte der russischen Atomindustrie als erstes Auslandsprojekt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion das Überleben. Sie hofft auf Anschlussaufträge. Als Kunde russischer Waffen, darunter Luftabwehrraketen des Typs TOR-M1 zum Schutz der Atomanlagen vor Luftangriffen, hat Iran das Potenzial, sich langfristig hinter den Kunden China und Indien auf den dritten Platz hochzuschieben. Die Waffenexporte sind dem Kreml als Einnahmequelle und als Symbol einer unabhängigen Außenpolitik willkommen.