Zeitlich hätte der Vorschlag kaum besser platziert werden können. Während zur Osterzeit Tausende Deutsche per Flugzeug in wärmere Gefilde entfliehen, wird von den wenigen Politikern, die noch nicht weg sind, mal wieder über den Konflikt zwischen Flugverkehr und Klimaschutz debattiert.

Immerhin, eines ist neu: Normalerweise waren es Vertreter der Grünen, die sich mit solchen Vorschlägen unbeliebt machten. "Einmal Mallorca in fünf Jahren ist genug", hieß vor einigen Jahren die Schlagzeile, die einer bis dahin unbekannte Grünen-Politikerin zu negativer Popularität verhalf. Diesmal kommt der Vorstoß dagegen von der CDU, genauer gesagt von der baden-württembergischen Umweltministerin Tanja Gönner.

Und noch etwas ist anders. Der Aufschrei der Empörung, der solchen Einlassungen sonst in der Regel zu folgen pflegte, blieb bisher weitgehend aus. Sowohl die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union, Katherina Reiche, als auch ihr SPD Kollege, Ulrich Kelber – beide zuständig für den Bereich Umweltpolitik – unterstützten das Anliegen Gönners vielmehr.

Die erschreckenden UN-Klimaberichte der vergangenen Wochen scheinen an der Politik nicht ganz spurlos vorübergegangen zu sein. Trotzdem: Deutet die Debatte wirklich schon auf ein umweltpolitisches Umdenken hin?

Wohl kaum. Nicht nur die Grünen, sondern auch das Bundesumweltministerium weisen zurecht darauf hin, dass im Sinne des Klimaschutzes andere Maßnahmen weit vordringlicher wären. Würde etwa die Mehrwertsteuerbefreiung für innereuropäische Flüge aufgehoben, würde dies eine ganz andere ökologische Lenkungswirkung bewirken, als die zehn Euro Klimaabgabe pro Flugticket, von denen jetzt die Rede ist. Denn dass ein solcher Betrag irgend jemanden davon abhalten könnte, in den Osterurlaub zu fliegen, kann man wohl getrost ausschließen. Weit bedeutsamer wären außerdem die Einbeziehung des Flugverkehrs in den Emissionshandel und die Besteuerung von Flugbenzin.

Daran, ob und mit welcher Entschlossenheit diese Aufgaben abgearbeitet werden, wird sich zeigen, ob die Politik die Klimaberichte wirklich ernst nimmt. Dabei muss die Bundesregierung Druck auf europäischer Ebene machen. In einigen Bereichen – wie zum Beispiel bei der Kerosinsteuer – könnte Deutschland aber auch mit gutem Beispiel vorangehen. Hier würde es reichen, wenn sich die vier oder fünf größten europäischen Länder mit dem stärksten Flugaufkommen zusammenschlössen. Man muss nicht warten, bis alle EU-Staaten sich einig geworden sind.