In den achtziger Jahren waren im angelsächsischen Raum ethische Fonds mit Ausschlusskriterien üblich. In Europa hingegen gab es vor allem Aktienfonds, die auf Umwelttechnik setzten. Beispiele dafür sind der Credit Suisse EF (Lux) Global Sustainability, der KD Fonds Öko Invest und der SEB Invest ÖkoLux.

Im Jahr 1994 brachte die Schweizer Bank Sarasin ein völlig neues Konzept auf den Markt: Ihr Oekosar war weltweit der erste Fonds, dessen Gelder nach Öko-Effizienz-Kriterien angelegt wurden . Seine Macher ermittelten aus fast allen Branchen Unternehmen, die möglichst umweltschonend wirtschaften. Im Jahr 1998 nahmen sie zusätzlich soziale Kriterien auf, der Ökoeffizienzfonds wurde zum Nachhaltigkeitsfonds. Danach stellten auch einige Wettbewerber ihre Konzepte in diese Richtung um, zum Beispiel die Credit Suisse.

Viele der seit 1999 von Konkurrenten aufgelegten Fonds orientieren sich - wenn auch nach unterschiedlichen Ansätzen - ebenfalls am Konzept der ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit. Beispiele sind der Allianz RCM Global Sustainability, der DWS Invest Sustainability Leaders, mehrere Dexia-Nachhaltigkeitsfonds, der Kepler Sustainability Aktienfonds, der MEAG Nachhaltigkeit, Fonds von Swisscanto oder der UBS Responsibility.

Um ökologisch und sozial verantwortliche Unternehmen zu finden, bewertet Sarasin zunächst einzelne Branchen und dann die Firmen selbst. Manchmal ist schon die Branche, zu der ein Unternehmen gehört, ein Problem. Rüstungs- oder Tabakhersteller beispielsweise könnten innerhalb ihres Sektors noch so vorbildlich Ressourcen schonen und Mitarbeiter hätscheln, ihre Branchenzugehörigkeit verbietet es den Portfoliomanagern von Sarasin, ihre Aktien oder Anleihen zu kaufen. Meist kommen nur jene Firmen für einen nachhaltigen Sarasin-Fonds infrage, die einer vorbildlichen Branche angehören und innerhalb dieser Branche vorbildlich wirtschaften. Von den 900 Unternehmen, welche die Bank auswertet, wurden auf diese Art 500 herausgefiltert, die von Sarasins nachhaltig orientierten Portfoliomanagern erworben werden können. Top-Bewertungen erhalten aber nur rund 50 Firmen. In ihre Papiere fließt das meiste Geld der Sarasin-Nachhaltigkeitsfonds. Auch Staatsanleihen werden auf Nachhaltigkeit geprüft, wobei Wirtschaftskraft, Sozialsysteme und Umweltzustand eine Rolle spielen.

Auch die im Sarasin-Mischfonds OekoSar gebündelten Gelder werden in dieses Anlageuniversum investiert. Insgesamt sind 260 Millionen Euro in diesem Fonds angelegt, damit ist er einer der größeren Nachhaltigkeitsfonds in Kontinentaleuropa. Seit 1994 hat der OekoSar seinen Wert um kumuliert 79 Prozent gesteigert. Im Vergleich zu jenen konventionellen Mischfonds, die ihr Vermögen wie der OekoSar zu maximal 60 Prozent in Aktien anlegen, sei das eine gute Entwicklung, sagt die Bank: Die nicht explizit nachhaltige Konkurrenz legte nur um 64 Prozent zu. Damit bestätigt der OekoSar wissenschaftliche Studien, denen zufolge nachhaltige Kapitalanlagen gegenüber traditionellen keinen Rendite-Nachteil haben. Anleger müssen allerdings für ihr gutes Gewissen unter Umständen ein höheres Risiko in Kauf nehmen. Auch das Risiko des OekoSar, gemessen an der durchschnittlichen Breite seiner Kursschwankungen, lag in den vergangenen Jahren etwas über der Volatilität der Vergleichsfonds.

Anders als für viele deutsche Banken ist Nachhaltigkeit für die Baseler Bank kein Modetrend, sondern fester Bestandteil der Unternehmensphilosophie. Das Institut verwaltet insgesamt 3,3 Mrd. Euro nach nachhaltigen Kriterien – 7,3 Prozent des gesamten verwalteten Vermögens. An den gesamten Mandaten von Großanlegern haben nachhaltige Mandate bereits einen „deutlich zweistelligen“ Anteil, betont Direktor Andreas Knörzer.

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