Das Logo der Bank Sarasin ziert eine knorrige Eiche: Symbol für die Liegenschaft „Zum Eichbaum“, die das 1841 gegründete Institut vor hundert Jahren bezog. Das war wenige Jahre, bevor die industrielle Revolution die europäischen Gesellschaften von Grund auf veränderte – damals dachte noch niemand an die Notwendigkeit, die Natur zu schützen, und so hatte auch das Logo ursprünglich nichts mit Umweltschutz zu tun. Heute jedoch gehört die Bank zu Europas führenden Anbietern von ökologisch und sozial verantwortlichen Geldanlagen.

Andreas Knörzer hat viel dazu beigetragen. Der 47jährige hat bei Sarasin den Bereich „Sustainable Investments“ (Nachhaltige Geldanlagen) aufgebaut und leitet diesen heute. Umweltschutz lag ihm schon immer am Herzen: Knörzer ist seit Kindesbeinen Mitglied der Umweltorganisation WWF, die in der Schweiz gegründet wurde. Er engagiert sich bis heute ehrenamtlich für den Umweltschutz und ist seit einigen Jahren Vorstand der Schweizerischen Vereinigung für ökologisch bewusste Unternehmensführung (ÖBU).

Mit Banken wollte Knörzer nach seinem Studium eigentlich nichts mehr zu tun haben. Dabei hatte er früher ein Faible für Zahlen. Als Jugendlicher half er seiner Mutter, die Bücher der elterlichen Offsetz-Druckerei zu führen. Später begann eine Lehre bei einer Kantonalbank, „weil Banker damals noch angesehen waren.“ Doch die Arbeit am Schalter langweilte ihn, so dass er an die Lehre, finanziert durch Putzen und Nachhilfe, ein Betriebswirtschafts-Studium anschloss. Seine Diplomarbeit schrieb Knörzer noch im Auftrag der Bank Sarasin. Danach sollte Schluss sein: „Nie wieder eine Bank“.

Doch Sarasin bot ihm eine Stelle als Analyst im Finanzresearch an. Die Aufgabe schien spannend, Knörzer blieb. Das war Ende 1988, als noch kaum jemand darüber nachdachte, Geldanlage und Ökologie zu verbinden.

Knörzer stellte schon bei seiner ersten Studie über US-Entsorgungsunternehmen fest, wie heikel es aus ökologischen Gründen war, Geld in die Branche zu investieren. Seine zweite Studie „Unsere Umwelt – eine Investition wert?“ stieß 1990 auf große Resonanz. „Bisher hatte es keine Bank gewagt, kritisch über bestimmte Branchen zu schreiben und die Anleger auf ihre Verantwortung hinzuweisen.“ Knörzer nahm sich vor, künftig konkrete Empfehlungen für ökologisch korrekte Investitionen abzugeben, und bildete ein Musterportfolio. Der Sarasin-Vorstand unterstützte ihn – seine Mitglieder waren, wie viele Schweizer, durch den Sandoz-Chemieunfall von 1986 für ökologische Fragen sensibilisiert worden. Damals hatten Chemikalien des Konzerns den Rhein für Jahre verseucht.

Bis zur Idee, systematisch zu prüfen, wie umweltschonend einzelne Unternehmen wirtschaften, und aus den Ergebnissen einen Fonds zu stricken, war es nicht mehr weit. Im Jahr 1994 brachte Sarasin den weltweit ersten Öko-Effizienz-Fonds auf den Markt. Im OekoSar waren Aktien und Rentenpapiere jener Unternehmen vertreten, die nach Knörzers Analyse als ökonomisch gesund und ökologisch effizient eingestuft wurden. Sie kamen aus nahezu allen Branchen. Das war neu, denn bis dahin hatten Ökologie-Fonds ausschließlich in Umwelttechnik investiert. „Wir wollten klar machen, dass Ökologie für alle Unternehmen bedeutsam ist“, sagt Knörzer.