"Wenn du im Halbfinale wärest, ist wirklich alles möglich", sinnierte Manager Uli Hoeneß im Konjunktiv vor der Partie gegen den AC Mailand. Um diesen Traum zu verwirklichen, muss der deutsche Meister erst einmal am Mittwoch (20.45 Uhr/Premiere) das Viertelfinal-Rückspiel bestehen. Dieser Erfolg soll nach dem 2:2 in Mailand auch ohne den angeschlagenen Bastian Schweinsteiger gelingen und keinesfalls durch das Bayern-Schreckgespenst Filippo Inzaghi zunichte gemacht werden. "Es wird ein Spiel auf Messers Schneide", glaubt Trainer Ottmar Hitzfeld, der am Dienstag Siegesgewissheit verbreitete: "Ich gehe davon aus, dass wir uns für das Halbfinale qualifizieren werden - egal wie."

Trotz der guten Ausgangsposition müssen die Bayern auf Sieg spielen. Zwar würde den Münchenern schon ein 0:0 oder ein 1:1 für die Qualifikation zur Vorschlussrunde genügen, aber darauf möchte sich Hitzfeld nicht verlassen: "Es wird ein Spiel auf Messers Schneide". Nach dem Anpfiff sind die Bayern beim Stand von 0:0 erst einmal weiter - ein psychologischer Vorteil. Aber auf ein torloses Zitterspiel oder ein mögliches 1:1 wollen sie sich nicht einlassen. "Auf ein Unentschieden zu spielen, ist gegen Italiener zu gefährlich", warnte Torjäger Roy Makaay. Lukas Podolski möchte auf die erfolgreiche Überfalltaktik des Spiels gegen Real Madrid, als Makaay beim 2:1-Erfolg schon nach wenigen Sekunden traf, zurückgreifen. Erst zum Spielende will van Bommel "Beton anrühren": "Wenn es nach 75 Minuten 0:0 oder 1:1 steht, werden wir versuchen, das Ergebnis zu verteidigen."

Der Trainer kann im Gegensatz zum Hinspiel wieder auf seine "Leitwölfe" zurückgreifen. Oliver Kahn und Mark van Bommel werden nach ihren Hinspiel-Sperren auflaufen. Auch Abwehrchef Lucio, Hasan Salihamidzic und Owen Hargreaves sind ebenfalls wieder fit, während nach Mehmet Scholl auch Abwehrspieler Martin Demichelis definitiv ausfällt.

Wie schon beim Achtelfinal-Erfolg gegen Real Madrid setzen die Bayern große Hoffnungen in die Zuschauer in der heimischen Allianz Arena. "Ich hoffe, dass wir es wieder schaffen, dass wir praktisch mit 12 gegen 11 spielen", sagte Van Bommel. Nur sechs von bislang 57 Heimspielen in der Champions League hat der FC Bayern verloren - alle im ehemaligen Olympiastadion.

Der vermeintliche Vorteil für die Münchener, dass Milan im Angriff sowohl auf Ronaldo als auch auf Alberto Gilardino verzichten muss, könnte sich als trügerisch erweisen. Denn in der Not setzt AC-Coach Carlo Ancelotti auf Inzaghi - und den fürchten die Bayern neben Superstar Kaka immer noch am meisten. "Inzaghi ist genauso unangenehm wie Gilardino", meinte Makaay. Hitzfeld fürchtet vor allem die Fallsucht des Italieners im Strafraum, nennt Inzaghi darum "den Schauspieler".

Inzaghi hat sich in der Vergangenheit mehrmals als Albtraum für den FC Bayern erwiesen: Beim Vorrunden-Aus des Rekordmeisters schoss er beim Mailänder 2:1 in München beide Treffer, beim 2:1 im Rückspiel machte Inzaghi das Siegtor. Und vor einem Jahr, als die Bayern beim Achtelfinal-K.o. gegen Milan im Rückspiel mit 1:4 untergingen, war es wiederum "Super-Pippo", der gleich zwei Mal gegen Kahn zuschlug. Sollte dieser die Mailänder Offensivkünstler stoppen, dann kann Uli Hoeneß weiter von höheren Zielen träumen

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Bayern München: Kahn - Salihamidzic, Lucio, Van Buyten, Lahm - Lell, Van Bommel, Hargreaves, Schweinsteiger (Ottl) - Makaay, Podolski
AC Mailand: Dida - Oddo, Nesta, Maldini, Jankulovski - Gattuso, Pirlo, Ambrosini - Kaka, Seedorf - Inzaghi Schiedsrichter: Gonzalez (Spanien)

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