Die jüngste DaimlerChrysler- Hauptversammlung dürfte in die Geschichte eingehen – als letzte mit Chrysler als integralem Teil des Konzerns. Unternehmenschef Dieter Zetsche sprach zwar erneut davon, dass "alle Optionen" offen seien. Doch er hat Verhandlungen mit mehreren potenziellen "Partnern" bestätigt und dadurch die Erwartungen, die Chrysler Group werde bald eigene Wege gehen, bestärkt. Davon kann er kaum mehr abrücken, zumal die erheblichen Kursgewinne der DaimlerChrysler-Aktie in den vergangenen Wochen gerade durch die Annahme getrieben wurden, der Konzern werde sich von seinem US-Zweig trennen.

Mit der Hauptversammlung trat auch Hilmar Kopper nach 17 Jahren als Aufsichtsratschef ab. Der ehemalige Chef der Deutschen Bank hatte nicht die Größe, die Fusion des Jahres 1998 im Rückblick als Fehler oder Irrtum einzugestehen, genauso wenig wie zuvor der große Fusionsstratege Jürgen Schrempp, der jetzt seine üppige Altersversorgung genießt.

Der neue Chef Dieter Zetsche hat angekündigt, im Falle Chrysler eine Lösung anzustreben, welche die beste Zukunft für DaimlerChrysler insgesamt und ebenso für die Chrysler Group verspreche. Wie soll das gehen?

Klar ist: Wenn der Konzern die US-Tochter zu einigermaßen vernünftigen Konditionen losschlagen kann, ist Stuttgart einen Risikofaktor los. Aber wie will Zetsche begründen, dass Finanzinvestoren oder möglicherweise ein Großzulieferer eine bessere Zukunft für Chrysler garantierten? Etwa damit, dass diese mehr Autoverstand und damit die bessere Strategie hätten als er und seine Kollegen im Konzernvorstand?

Zetsche bliebt in einer unglückseligen Tradition. Fehler werden bei Daimler nicht eingestanden. Die Sanierung bei Chrysler unter ihm sei erfolgreich gewesen, behauptete er allen Ernstes in Berlin. Das Problem sei nur gewesen, dass man das Umschwenken der Amerikaner auf kleinere und verbrauchsärmere Fahrzeuge nicht rechtzeitig erkannt habe. Das stimmt. Aber wer soll solche Entwicklungen rechtzeitig erkennen, wenn nicht hoch bezahlte Manager mit ihren riesigen Stäben?

Dieter Zetsche kann jetzt nur hoffen, dass der erkennbare Aufschwung bei der Stammmarke Mercedes anhält und das Kapitel Chrysler schnell vergessen macht. Die große Mehrzahl der Aktionäre wird ihm dafür applaudieren. Aber ein schaler Nachgeschmack bleibt.

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