Diese Ehe wurde "im Himmel gestiftet" – zumindest schwärmte so einer der Kuppler, Jürgen Schrempp. Doch das Bündnis zwischen Daimler-Benz und Chrysler war keine Liebesheirat. Es wurde arrangiert, um Schrempps Traum einer "Welt AG" zu erfüllen. Auch die japanische Mitsubishi AG war zeitweise an diesem globalen Autobauer beteiligt. Heute, knapp neun Jahre später, ist die "Welt AG" längst zerbrochen, Daimler und Chrysler stehen vor der Scheidung. Man verhandle mit Unternehmen, die Chrysler möglicherweise kaufen wollten, bestätigte DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche am Mittwoch. "Ich kann bestätigen, dass wir mit einigen der potenziellen Partner, die ein klares Interesse bekundet haben, Gespräche führen", sagte er auf der Hauptversammlung des Konzerns in Berlin.

Die von seinem Vorgänger Schrempp vermittelte Partnerschaft der beiden Auto-Firmen stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Zwar erwirtschaftete DaimlerChrysler 1999, im ersten gemeinsamen Geschäftsjahr, noch einen Betriebsgewinn von mehr als zehn Milliarden Euro und erzielte damit eine Rendite von sieben Prozent. Doch schon im Jahr darauf rutschte der US-Partner in die Krise – und als die Amerikaner sich gerade wieder erholt hatten, brach der Verkauf von Mercedes-Fahrzeugen wegen Qualitätsproblemen ein. Im Jahr 2005 schrieben die Schwaben gar rote Zahlen. Jürgen Schrempp, von aller Schwärmerei kuriert, schmiss das Handtuch.

Sein Nachfolger wurde Dieter Zetsche, der Chrysler - vorübergehend, wie man heute weiß – erfolgreich saniert hatte. Zetsche hatte einen wesentlichen Fehler begangen: Er hatte die steigenden Treibstoffpreise nicht vorhergesehen. Sie brachten selbst die US-Autofahrer dazu, beim Kauf eines neuen Wagens auf dessen Benzinverbrauch zu achten. Weil Chrysler aber spritsaufende Monsterautos baute, schwere Pick-ups und Geländewagen, brach der Absatz erneut ein. Jetzt muss ausgerechnet Zetsche Chrysler verkaufen.

Zwar ist nicht völlig ausgeschlossen, dass Chrysler im Konzern verbleibt. "Die Chance, dass Chrysler in zwei Jahren noch im Konzern ist, besteht natürlich", sagte Aufsichtsratschef Hilmar Kopper der Welt . Kopper, ehemals Vertreter der Deutschen Bank und berühmt für seinen "Peanuts"-Ausspruch nach der Pleite des Baulöwen Jürgen Schneider, gehörte in dem Kontrollgremium zu den stärksten Unterstützern von Schrempps Globalisierungsplänen. Doch Kopper geht, neuer Aufsichtsratschef wird der langjährige Daimler-Mann Manfred Bischoff.

Derzeit jedenfalls gilt ein Verkauf von Chrysler als die wahrscheinlichste Variante. Ihn forderten auf der Hauptversammlung sowohl Kleinaktionäre als auch Vertreter der Fondsgesellschaft und Deutsche-Bank-Tochter DWS. Zwar gehört die DWS nicht mehr zu den großen Anteilseignern, gilt aber immer noch als wichtiger Aktionär. "Wenn Chrysler am Ende zum Scheidungsrichter geführt würde, wären wir sehr dankbar", sagte Fondsmanager Henning Gebhardt. Die 6900 anwesenden Aktionären applaudierten ihm kräftig für seine klaren Worte.

Wer aber wird den Sanierungsfall kaufen? Die Konkurrenz der Autohersteller scheint sich Chrysler bislang nicht ans Bein binden zu wollen, Finanzinvestoren stehen auf der Matte. Blackstone und Cerberus sollen bereits ihr Interesse bekundet haben, als weiterer möglicher Käufer wird der kanadische Zulieferer Magna International genannt. Die US-Tageszeitung Detroit News berichtete am Mittwoch, alle drei hätten ein Gebot für Chrysler abgegeben. Der Mutterkonzern wolle bis Ende April einen Bieter als exklusiven Verhandlungspartner auswählen und hoffe auf einen Preis von rund acht Millionen Dollar.