Die Entführer der beiden Deutschen im Irak wollen nach Einschätzung des Terrorismusexperten Guido Steinberg Lösegeld erpressen und nicht politische Ziele durchsetzen. Seiner Meinung nach gehe es den Geiselnehmern "eher um das Geld", sagte der Mitarbeiter der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik am Mittwoch im ARD - Morgenmagazin . "Ich glaube nicht, dass in Bagdad im Moment sich wirklich jemand dafür interessiert, was in Afghanistan vor sich geht, dass deutsche Truppen in Afghanistan stehen."

Man müsse aber den Zusammenhang mit Afghanistan ernst nehmen. "Meines Erachtens ist das aber eher der Versuch, hier in Deutschland die öffentliche Stimmung zu nutzen, um Aufmerksamkeit zu gewinnen, und um dann Druck auf die Bundesregierung auszuüben über die deutsche Öffentlichkeit."

In der Vergangenheit sei es schon öfter vorgekommen, "dass Gruppierungen, die eigentlich nur Geld erpressen wollten, doch für eine Weile politische Forderungen gestellt haben, von denen sie dann aber, wenn es in den Verhandlungsprozess ging, sehr schnell Abstand genommen haben". Die Entführer wüssten genau, dass sie mit politischen Forderungen in Deutschland Aufmerksamkeit bekämen.

Am Dienstagabend hatte Außenminister Frank-Walter Steinmeier erklärt: "Wir sind unverändert in großer Sorge." Das im Internet veröffentlichte neue Video nannte er "schockierend und unmenschlich". Die Hoffnung, dass am Ende dennoch durch die Bemühungen des Krisenstabs eine Freilassung gelinge, werde nicht aufgegeben.

Die Entführer der beiden Deutschen im Irak hatten der Bundesregierung am Dienstag ein neues Ultimatum gestellt. In einem verbreiteten Video geben sie Deutschland zehn Tage Zeit, seine Truppen aus Afghanistan abzuziehen. Andernfalls würden die Geiseln getötet.

Die entführte Hannelore Krause fleht die Bundesregierung unter Tränen um Hilfe an. "Deutschland war in Sicherheit, bevor es sich mit den Amerikanern zu dieser teuflischen Koalition gegen den sogenannten Terrorismus zusammengeschlossen hat", sagt Hannelore Krause in dem Video. Sie sitzt mit Kopftuch vor einem gemusterten Wandbehang, ihr Sohn kauert wortlos neben ihr. Auch ihre Kinder in Deutschland fleht sie um Hilfe an. "Meine lieben Kinder in Dortmund. Ich wende mich heute an Euch, vielleicht ein letztes Mal. Ich bitte euch, unternehmt was", sagt sie. "Ich kann nicht mehr, ich bin wirklich am Ende ... Ich habe so viel Angst. Und wir haben nur noch ein paar Tage ... Wenn wir uns nicht wiedersehen sollten, ich wünsch euch alles Gute - und alles Beste. Und auf Wiedersehen." Der letzte Teil ihrer Worte geht im Schluchzen unter.