Für die einen war es Ostermontag, für die anderen der „nationale Nuklearfeiertag“: Irans Präsident Ahmadineschad behauptete ein weiteres Mal, ab sofort gehöre sein Land zu jenen Mächten, die Uran „in industriellem Maßstab“ anreichern könnten. Außerdem erging er sich in Andeutungen, in denen die Drohung enthalten war, dass Iran seine Mitgliedschaft im Atomwaffensperrvertrag überdenken könnte.

Ein Bluff. Aber der Konflikt um das iranische Atomprogramm ist dermaßen brisant, dass auch eine Finte zum Zünder werden kann. Denn das Gemisch aus wechselseitigem Misstrauen und eklatanten Fehlwahrnehmungen ist der Stoff, aus dem Kriege entspringen.

Deshalb, zunächst einmal, die Entwarnungen: Nein, ein Land, das Uran anreichern kann, ist noch längst keine Atommacht. Und nein, um sich selbst ausreichend mit Uranbrennstoff zu versorgen - genauer: um den Reaktor in Busheer zu befüllen - würde Iran etwa 50.000 kontinuierlich rotierende Uranzentrifugen benötigen; davon ist das Land aber weit entfernt. Zurzeit ist von 3000 Zentrifugen die Rede.

Und selbst das wahrscheinlich zu Unrecht. Die Angaben aus Teheran widersprechen einander. 3000 Zentrifugen, diese magische Zahl tauchte vor Monaten in großspurigen Ankündigungen Ahmadineschads auf. Im Februar sollten sie installiert sein, das war der Plan. Man hörte später nichts mehr davon. Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien schätzen die Zahl der installierten Geräte auf rund 1000. Nun hören wir, man habe mit der „Massenproduktion“ von Zentrifugen begonnen, das aber ist etwas anderes als die Konstruktion, Verschaltung und Inbetriebnahme von 3000 Stück.

Wobei auch an das Wort von der Massenproduktion ein Fragezeichen gehängt werden muss, denn übereinstimmenden Berichten aus mehreren Quellen zufolge mangelt es Iran an geeigneten Kugellagern, Ringmagneten und metallischen Stabilisierungsbälgen, alles kritische und in hoher Qualität schwer zu beschaffende Bauelemente, unerlässlich für die sich mit irrsinniger Geschwindigkeit drehenden Zentrifugen.

Aber angenommen, Iran sei es gelungen, wenigstens 1000 Zentrifugen einzurichten. Wenn diese kontinuierlich arbeiten, könnten sie binnen zwei bis zweieinhalb Jahren genug Uran für genau eine Bombe anreichern (3000 Zentrifugen würden neun bis elf Monate benötigen). Damit wäre die Waffe natürlich noch lange nicht gebaut. Und entscheidend ist das Wort „kontinuierlich“: Bis jetzt laborieren Irans Techniker an dem Problem, dass ihr Urangas, mit dem sie die Zentrifugen befüllen können, Unreinheiten enthält, das die empfindlichen Geräte schon mehr als einmal zerstört hat. Experten schätzen eine Verfügbarkeit der bisherigen Anlagen von 20 Prozent.