Die schwarz verhüllten Frauen, die den Hof der großen Umayyaden-Moschee in Damaskus bevölkern, unterscheiden sich schon auf den ersten Blick von den Syrerinnen in Jeans und farbigen Kopftüchern, die in den umliegenden Altstadtcafés Wasserpfeife rauchen. Es sind Pilgerinnen aus Iran, die ihren Körper unter einem weiten Tschador verbergen, am Kinn zusammengehalten von einer Sicherheitsnadel. Sie besuchen hier den Schrein, in dem der Kopf von Hussein Ibn Ali aufbewahrt worden sein soll, dem Enkel des Propheten Mohammed und einem der wichtigsten Märtyrer der Schiiten.

Syrien ist ein beliebtes Reiseziel für die persischen Pilger. Hunderttausende von ihnen strömen jedes Jahr zu den heiligen Stätten, und sie kommen nicht mit leeren Händen. Renovierung und Neubau prachtvoller Gotteshäuser in Syrien gehen häufig auf das Konto der Iraner – in einem solchen Ausmaß, dass im säkularen, multireligiösen Syrien bereits die Sorge über den Export der schiitischen Religion laut wird.

Aber nicht nur die große Zahl der iranischen Wallfahrer ist ein Indiz für die engen Beziehungen der beiden ungleichen Länder. Als Verbündete zeigen sich Iran und Syrien vor allem dann, wenn sie zusammen die schiitische Hisbollah im Libanon und die sunnitische Hamas in den Palästinensergebieten unterstützen. Im Libanon-Krieg warnte Irans Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad vergangenen Sommer Israel eindringlich vor einem Angriff auf Syrien. Dies würde als Angriff auf die gesamte islamische Welt verstanden und eine "fürchterliche Antwort" zur Folge haben. Mitte März erneuerte der iranische Verteidigungsminister bei einem Besuch in Damaskus das militärische Bündnis.

Dabei überrascht die Achse Teheran-Damaskus auf den ersten Blick. Iran wird seit knapp drei Jahrzehnten unter dem Banner des revolutionären Islam von einem geistlichen Oberhaupt der Schiiten geführt, in Damaskus regiert ein weltliches Militärregime über das mehrheitlich sunnitische Land. Iran untermauert seinen Anspruch auf den Rang einer Regionalmacht mit einem Atomprogramm, das international Besorgnis erregt. Syriens Streitkräfte dagegen gelten als hoffnungslos veraltet. Immer wieder kritisieren iranische Religionsführer arabische Machthaber als Despoten, die sich abgewendet hätten vom wahren Islam – eine Beschreibung, die auch auf den alawitischen Assad-Clan in Damaskus anwendbar wäre.

Von orthodoxen Sunniten wird die Religionsgemeinschaft der Alawiten, aus der sich die Staats- und Militärführung in Damaskus rekrutiert, erst gar nicht als islamisch anerkannt. Ausgerechnet aus dem schiitischen Gottesstaat erhalten die Machthaber in Syrien die für ein arabisches Regime überlebensnotwendige Legitimation: iranische Islamgelehrte stellten klar, dass die Alawiten zur großen Familie der Schiiten gezählt werden müssten.

Auch wenn sich das Bündnis heute vor allem durch die gemeinsamen Feinde USA und Israel auszeichnet – Iran und Syrien halten nicht erst zusammen, seit sie beide auf der amerikanischen Liste der Schurkenstaaten stehen. Seit der Gründung der Islamischen Republik 1979 gehört Damaskus zu den engsten Verbündeten Teherans – Syriens traditioneller Partner Ägypten fiel im gleichen Jahr aus, weil er Frieden mit Israel schloss. Im Iran-Irak-Krieg schlug Syrien sich als einziges arabisches Land auf die Seite Irans. Der damalige Präsident Hafiz al-Assad sicherte sich damit einen Verbündeten gegen Saddam Hussein, dessen Baath-Partei zu einer unliebsamen Konkurrenz geworden war.