Ungefähr zehn Euro pro Ticket könne die Abgabe betragen, sagte die baden-württembergische Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) der Berliner Zeitung vom Donnerstag. "Damit könnten wir Klimaschutzmaßnahmen bei uns oder in den Entwicklungsländern finanzieren."
Wer fliegt, soll dafür künftig noch mehr Geld lassen - dem Klima zuliebe.

Rückendeckung erhielt Gönner vom stellvertretenden SPD-Fraktionsvorsitzenden Ulrich Kelber. "Wenn wir bei einer europaweiten Kerosinsteuer nicht vorankommen, dann ist eine Klima-Abgabe auf Flugtickets eine gute Möglichkeit", sagte er. Eine solche Abgabe solle nach Flugklasse und Entfernung gestaffelt werden.

Die Grünen haben einen entsprechenden Antrag bereits einmal in den Bundestag eingebracht. Damals wurde er allerdings abgelehnt. Vordringlich sei aus Sicht der Grünen die Abschaffung der Mehrwertsteuerbefreiung für innnereuropäische Flüge, die Einbeziehung des Flugverkehrs in den europäischen Emissionshandel und die Besteuerung von Flugbenzin, sagte der Umweltpolitiker Winfried Hermann ZEIT online . Gerade in Sachen Flugbenzin müsse man nicht darauf warten, dass alle EU-Länder mitzögen. Vielmehr reiche es wenn die größeren EU-Staaten sich zusammenschlössen.

Mit ihrem Vorschlag stößt Gönner in ihrer eigenen Partei allerdings auf Widerstand. Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger hat das Vorhaben bereits abgelehnt. Auch der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Union im Bundestag, Hans-Peter Friedrich, äußerte sich ablehnend. Wie die Grünen präferiert auch er eine Einbeziehung des europäischen Luftverkehrs in den Emissionshandel. Hysterischer Aktionismus sei abzulehnen, sagte er ZEIT online

Der Flugverkehr verursacht nach Einschätzung des Umweltbundesamtes wesentlich mehr Klimaschäden als von der Branche bislang zugegeben. Sein Anteil an den vom Menschen ausgelösten Ursachen für den Klimawandel liege weit höher als die bisher angenommenen zwei bis drei Prozent.

Die Forderung, Fliegen zu verteuern, ist nicht neu. Seit Jahren diskutieren die sieben führenden Industrieländer und Russland im Kreis der G8 über eine Abgabe auf den Flugpreis als "innovatives Finanzierungsinstrument" zur Aufstockung der Entwicklungshilfe. Die "Ticket-Tax" war eines der Themen beim Weltwirtschaftsgipfel im Jahr 2006 in Gleneagles. Zu einer gemeinsamen Position konnten sich die G8-Staaten aber nicht durchringen. Dann verfolgten die EU-Finanzminister das Thema weiter - und überließen es schließlich den Mitgliedsstaaten, die Abgabe zu erheben oder nicht.