ZEIT online: Herr Ruttig, seit Anfang der Woche sind sechs Tornados der Bundeswehr in Afghanistan im Einsatz, was bedeutet dies für das Image der deutschen Soldaten unter der Bevölkerung?

Thomas RUTTIG: Die Debatte wird in Deutschland sehr viel schärfer geführt als in Afghanistan. In Kabul sind die Meinungen eher positiv. Nicht nur die Regierung Karsai, sondern gerade auch die fortschrittlichen und demokratischen Kräfte des Landes sagen, wir brauchen die Unterstützung der Bundeswehr gegen die Fundamentalisten. Auch die Mehrheit der Bevölkerung sieht die Taliban weiter als Bedrohung an. Andererseits kann man nicht ausschliessen, dass die Taliban dies propagandistisch ausschlachten.

ZEIT online: Wird denn erwartet, dass sich die Bundeswehr auch Soldaten in den Süden schickt?

Ruttig: Viele verstehen schon die Debatte in Deutschland, trotzdem würde man sich wünschen, dass deutsche Soldaten nicht nur im Norden, sondern auch in anderen Gebieten des Landes eingesetzt würden....

ZEIT online: ...auch in den Aufstandsregionen?

Ruttig: Ja. Ich spreche allerdings von der öffentlichen Diskussion, dass ist keine Position der afghanischen Regierung.

ZEIT online: Heißt das, es gibt unter den Afghanen keine Unterscheidung zwischen den verschiedenen militärischen Ansätzen der Deutschen und der Amerikaner?

Ruttig: Die Afghanen verstehen schon, dass es unterschiedliche Konzepte gibt, dass unterschiedliche Länder an den Einsätzen beteiligt sind. Es gibt eine Unterscheidung zwischen Enduring Freedom und Isaf. Aber seit die Nato die Einsatzführung bei Isaf übernommen hat, sind die Einsätze stärker miteinander verschmolzen. Da wird die Unterscheidung im Alltag schwieriger.

ZEIT online: Ist also die Sorge vieler Deutscher, die Bundeswehr könnte in die amerikanische Kriegsstrategie hineingezogen werden, berechtigt?

Ruttig: Ja, denn deutsche Soldaten im Süden würden nichts an der Situation ändern, so lange sich die auf eine militärische Zerschlagung des Aufstands ausgerichtete Strategie nicht ändert.