Einen Tag nach der verheerendsten Terrorserie seit Monaten sind bei einem Autobombenanschlag in Bagdad zehn Menschen getötet und 21 weitere verletzt worden. Wie der Nachrichtensender al-Arabija meldete, explodierte der Sprengsatz in der Nähe eines bekannten Restaurants im Stadtteil al-Dschadrija im Süden der Hauptstadt.
Nach Polizeiangaben starben eine Frau und zwei Männer durch die Explosion einer Mörsergranate in einem Wohnviertel in der südlichen Vorstadt al-Safaranij. Ein Kind wurde verletzt.

Die irakische Polizei hat die Zahl der Opfer nach der schweren Anschlagsserie am Mittwoch deutlich nach oben korrigiert. Bei der folgenreichsten Attacke seien 140 Menschen im Schiiten-Viertel Sadrija im Zentrum Bagdads ums Leben gekommen. Damit wurden am Mittwoch insgesamt fast 200 Menschen durch Bombenattentate getötet. Zuvor war von 170 Todesopfern die Rede gewesen.

Es war die schlimmste Anschlagsserie in diesem Jahr. Die Europäische Union und die USA zeigten sich bestürzt. Die deutsche EU-Präsidentschaft verurteilte die Anschläge aufs Schärfste, US-Verteidigungsminister Robert Gates sprach von einem entsetzlichen Tag. Zu den Anschlägen kam es trotz verstärkter Sicherheitsvorkehrungen: Seit Mitte Februar sind in Bagdad rund 3000 amerikanische und 10.000 irakische Soldaten zusätzlich stationiert worden, um die Sicherheitslage zu verbessern.

Die insgesamt fünf mit Autobomben verübten Attentate ereigneten sich innerhalb kürzester Zeit in überwiegend von Schiiten bewohnten Stadtvierteln. Nur Stunden zuvor kündigte Ministerpräsident Nuri al-Maliki an, seine Regierung werde bis Jahresende die vollständige Verantwortung für die Sicherheit des Landes übernehmen. Im Februar wurden Tausende zusätzliche US-amerikanische und irakische Soldaten in Bagdad stationiert, um für mehr Sicherheit zu sorgen und ein Abgleiten des Landes in einen Bürgerkrieg zu verhindern.

Ein Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters berichtete, der Schauplatz des heftigsten Anschlags im Schiiten-Viertel Sadrija im Zentrum Bagdads - eine Kreuzung nahe eines belebten Marktes - sei mit Leichen übersät. Unter den Opfern waren auch viele Kinder. "Ich sah Dutzende von Toten", sagte der Fotograf. Einige Menschen seien bei lebendigem Leib in Minibussen verbrannt. "Frauen weinten und riefen die Namen ihrer toten Angehörigen." Ein Mann schrie: "Wo ist Maliki. Holt ihn her und zeigt ihm, was hier passiert!"

Weitere Autobomben detonierten unter anderem im Stadtteil Sadr: An einem Kontrollpunkt sprengte sich ein Selbstmordattentäter in einem Auto in die Luft. Dabei kamen 35 Menschen ums Leben. Sadr-Stadt ist eine Hochburg des radikalen Schiiten-Predigers Moktada al-Sadr.