Mit der Vorlage dieses Urteils soll offenbar der Versuch unternommen werden, die Aussagen von Hochhuth zu untermauern. Da ich in der in Frage stehenden Verhandlung als Vertreter der Anklage tätig sein mußte, soll offenbar eine Verbindung zwischen mir und zweifelhaften Todesurteilen aus der Zeit des Dritten Reiches hergestellt werden. Auch wenn die Tatsachen eindeutig anders liegen, will man sich doch die Chance nicht entgehen lassen, mir auf diese Weise etwas anzuhängen. Deshalb stelle ich fest:

1. Ich habe das Verfahren gegen Gröger weder eingeleitet, noch betrieben. Gröger war durch Urteil vom 14. März 1944 wegen Fahnenflucht im Felde zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Dieses Urteil ist durch Verfügung des Flottenchefs vom 17. 6. 1944 im Schuldspruch bestätigt, im Strafäusspruch aber 'aufgehoben worden, weil — ausweislich der Urteilsgründe — "auf Todesstrafe hätte erkannt werden müssen". Der Flottenchef handelte dabei als Gerichtsherr. Zu dieser Zeit war ich in Nordnorwegen an der Front. Ich kam erst Ende 1944 nach Oslo und mußte in der zweiten Verhandlung gegen Gröger die Anklage vertreten.

2. Fahnenflucht war nicht nur in Deutschland, sondern in allen Nationen der Welt ein mit Todesstrafe bedrohtes Delikt. In der letzten Kriegsphase haben die Befehlshaber als Gerichtsherren an allen Fronten Fahnenflucht mit. besonderem Nachdruck verfolgt... Aus diesem Umstand ergibt sich auch die Weisung des Flottenchefs, als Gerichtsherr im Falle Gröger, die Todesstrafe zu verhängen ... Diese Verfügung' des Gerichtsherrn hatte die Bedeutung, daß jedes andere Urteil, das abweichend über die Person ergehen- würde, keine Bestätigung erhalten würde.

3. Damit war auch für den Anklagevertreter kein Ermessensspielraum, der einen anderen Antrag als den auf die Höchststrafe ermöglicht hätte.

4. Der Matrose Gröger war unstreitig und rechtskräftig festgestellt fahnenflüchtig geworden. Die Beweislage hatte sich im übrigen seit dem Urteil der ersten Instanz zu seinem Nachteil verschlechtert. Er wurde im März 1945 hingerichtet, als Vertreter der Anklage oblag mir die Überwachung der Vollstreckung.

5. Während ich selbst im Verfahren Gröger in der Rolle des Sitzungsvertreters war, der auf das Verfahren keinen Einfluß nehmen konnte, konnte Ich in vielen anderen Verfahren zugunsten der Beschuldigten wesentliches erreichen. Das geschah trotz der verschärften Kriegslage und trotz der Bespitzelung durch NS-Offiziere. Es ist bekannt und belegt, daß ich mehrere Marineangehörige, die wegen Wehrkraftzersetzung verurteilt oder verfolgt wurden, das Leben gerettet oder sie vor schwerer Strafe bewahrt habe. Das ist geschehen bei Gefahr für Leib und Leben von mir selbst.
Ich selbst habe nach der Kapitulation angeordnet, daß alle Gerichtsakten über Verfahren, an denen ich beteiligt war, aufbewahrt wurden. Und die Engländer haben diese Akten sehr eingehend studiert, ehe sie mich als Richter bei den deutschen Truppen nach dem Zusammenbruch einsetzten.

6. Dieses, mein Verhalten war die konsequente Fortsetzung meiner mit allen Mitteln betriebenen Abwehr nach. dreijähriger Soldatenzeit, eine Tätigkeit als Marinerichter übernehmen zu müssen. Meine Abwehr gipfelte in der Meldung für den Dienst bei der U-Boot-Waffe, die damals schon als Himmelfahrtskommando galt. Ich habe mich deshalb gegen diese Tätigkeit gewehrt, weil ich während des ganzen Dritten Reiches meine antinazistische Gesinnung nicht nur in mir getragen, sondern auch sichtbar gelebt habe.

7. Es ist bekannt, daß ich deswegen erhebliche Nachteile in meinem Fortkommen seit meiner Studentenzeit erfahren habe ...

8. Trotz dieser Tatsachen und trotz des erwähnten Urteils von 1972 wird nun versucht, aus einem Feldurteil aus dem Jahre 1945, das ein anderer gefällt hat, und auf das ich keine Einwirkungsmöglichkeit hatte, einen Vorwurf gegen mich abzuleiten. Dieser Versuch ist ebenso infam wie untauglich.