Hanne Hukkelberg: Wer so einen Namen trägt, entstammt einem Kinderbuch, einer Feengeschichte oder einem Märchen. Oder er kommt aus Norwegen und macht Musik, die mit kindlicher Anarchie Genregrenzen testet: Da ertönen Küchenutensilien und Wurlitzer, Glockenspiel und Cello und eine Stimme, welche die Eisheiligen sommerlich erscheinen lässt.

Hanne Hukkelberg kann darüber beim Interview nur lachen. Am Telefon klingt ihr Englisch sehr, sehr norwegisch. Ein halbes Jahr hat die 28-Jährige dank eines Stipendiums in Berlin verbracht. Ihr Album Rykestrasse 68 erzählt von einer Straße im Osten der Stadt. "Ich bin dort hingegangen, um allein zu sein und Musik zu machen." Berlin bedeute ihr viel: die Kontraste, die alten Gebäude, die Kunstgalerien und Flohmärkte. Lange habe sie gebraucht, um sich eine musikalische Identität zu erschaffen. Little Things , ihr Debütalbum aus dem Jahre 2005, sei das Fundament gewesen. "Für mein erstes Album war ich über zwei Jahre hinweg immer wieder im Studio. Ich habe nur kleine Teile aufgenommen und viel Zeit mit Nachdenken verbracht", erzählt sie. "Dieses Mal ging es schneller."

Wer Rykestrasse 68 hört, macht etwas Dunkles aus. Melancholie lauert in den Harmonien und zwischen den Zeilen. Das zweite Album ist noch tiefgründiger und schwerer als das erste. Hukkelbergs Herangehensweise ist die gleiche. Nie ist genau zu bestimmen, wo diese Stücke stilistisch hingehören. Sind sie Experiment? Jazz? Pop? "Wenn ich Musik mache, habe ich Bilder im Kopf. Die Bilder, die aus der Musik aufsteigen, gehören dazu. Ich spinne daraus Geschichten."

So verwendet sie "field recordings", Außenaufnahmen. Sie transportieren Geräusche, Stimmen, bestimmte Umgebungen, die in jedem Hörer Assoziationen auslösen. Das Album beginnt mit Straßenlärm aus der Rykestraße. "Ich versuchte, die Atmosphäre dieser Straße einzufangen, mittags, es war Frühling, ein schöner Tag, Sonne. Viele haben mich darauf angesprochen und gesagt: Eines weiß ich, das ist nicht in Norwegen. Es ist faszinierend, wie Menschen ein bestimmtes Gefühl über solche Aufnahmen vermittelt bekommen können. Sie reagieren darauf."

Ähnliches gilt für ihr Stück Obelix , das keinem Gallier, sondern einem Kater gewidmet ist. Als Begleitmusiker ist er mit dem englischen Verb purring aufgeführt: schnurren. "Ich liebe Katzen, ich bin mit ihnen aufgewachsen. Wenn ich dieses Schnurren höre, öffnet sich mein Herz. Wenn jemand Katzen hasst, wird es vermutlich das Gegenteil bewirken."

Sie verfolgt auch eine inhaltliche Absicht mit dem Geschnurr: "Prinzipiell geht es mir um den Respekt gegenüber Tieren. Viele wollen nicht sehen, was Tiere empfinden können und welche Ressourcen und Fähigkeiten in ihnen schlummern."