Die politische Bewegung des irakischen Schiiten-Predigers Moktada al-Sadr hat seine Drohung vom Wochenende wahr gemacht und am Montag seine sechs Minister angewiesen, aus der Regierung auszutreten. Mit dem Schritt will Sadr seiner Forderung Nachdruck verleihen, einen Zeitplan für den Abzug der US-Truppen aus dem Golfstaat festzulegen.

Der junge Kleriker gilt als einer der vehementesten Gegner der amerikanischen Präsenz im Zweistromland. In seinen Augen ist die US-Invasion für die unerbittliche Gewalt im Irak verantwortlich. Kämpfer seiner Mehdi-Miliz haben sich wiederholt Gefechte mit den irakischen Sicherheitskräften und US-Truppen geliefert.

Das US-Verteidigungsministerium hat Sadrs Miliz als größte Bedrohung für den Frieden im Irak bezeichnet. Bereits zum vierten Jahrestag des US-Einmarsches in Bagdad hat Moktada al-Sadr, der vor allem in der ärmeren schiitischen Stadtbevölkerung große Sympathien genießt, zu anti-amerikanischen Protesten aufgerufen. Zehntausende seiner Anhänger sind seinem Aufruf gefolgt und haben in der südirakischen Stadt Nadschaf demonstriert.

Die Folgen des Rückzugs aus der Regierung sind zunächst noch nicht genau absehbar. Sadrs Block stellt sechs Minister der Regierung von Ministerpräsident Nuri al-Maliki. Zudem hält die Gruppe ein Viertel der Parlamentssitze von Malikis Schiitischer Allianz. Beobachter schließen einen Sturz der Regierung aufgrund des Rückzugs der Sadr-Anhänger bislang aus, betonen aber, dass die Spannungen innerhalb des Kabinetts weiter zunehmen werden. Sicher ist auch, dass der Rückzug der Minister Auswirkungen auf die ohnehin nur noch eingeschränkte Legitimität und Handlungsunfähigkeit der Regierung haben wird.

Zum Thema
Der Krieg im Irak und seine Folgen: Analysen und Hintergründe