Auch am Samstag wurden Forderungen nach einer Entschuldigung des Regierungschefs oder einem Rücktritt laut. "Das Mindeste ist, dass sich der Ministerpräsident bei den Opfern des Nationalsozialismus und den Hinterbliebenen der Soldaten, die unter Beteiligung von Filbinger sterben mussten, entschuldigt", verlangte der Generalsekretär des Zentralrat der Juden in Deutschland, Stephan Kramer, in der Netzeitung .

Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte der Frankfurter Rundschau : "Es würde politisch-moralische Größe zeigen, wenn Oettinger einen Satz der Entschuldigung formulieren würde." Er nannte Oettingers Äußerungen bei der Freiburger Trauerfeier für den Anfang April gestorbenen Filbinger "peinlich bis dreist". FDP-Chef Guido Westerwelle forderte die Union zur klaren Distanzierung von jedem Versuch auf, die NS-Vergangenheit Filbingers zu beschönigen. "Ich hoffe, dass die Union in dieser Frage bei sich selbst schnell Klarheit schafft", sagte er.

Das Moses Mendelssohn Zentrum in Potsdam forderte Oettingers Rücktritt. "Da er offensichtlich kein Unrechtsbewusstsein in dieser Angelegenheit zu entwickeln in der Lage ist, wäre die CDU in Baden-Württemberg gut beraten, wenn sie Herrn Oettinger auffordert, den Hut zu nehmen", meinte der Historiker Julius Schoeps in einem Gastbeitrag für die Netzeitung .

"Meisterprüfung"

Dagegen nahm Baden-Württembergs CDU-Innenminister Heribert Rech Oettinger im Namen der Landespartei in Schutz. Oettinger habe, geprägt durch seine Bekanntschaft mit dem Ex-Ministerpräsidenten, seine Ansprache vor allem an die Familie Filbinger gerichtet, sagte Rech im SWR. Deshalb gebe es nichts zu beanstanden. Ähnlich äußerte sich der baden-württembergische CDU-Generalsekretär Thomas Strobl im Magazin Focus : "Es war eine Trauerrede, die an die Familie gerichtet ist, und kein historisches Seminar."