"Ich halte meine Formulierung nicht aufrecht", sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger und reagierte damit auf die anhaltende Kritik. Oettinger distanzierte sich so von seiner vorherigen Äußerung, in der er seinen Amtsvorgänger Hans Filbinger als Gegner des Nationalsozialismus bezeichnet hatte.

Vor einer CDU-Präsidiumssitzung sagte Oettinger in Berlin: "Ich bin hier, um mein Bedauern auszudrücken." Zuvor hatte die CDU-Parteivorsitzende und Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu aufgerufen, den Schritt Oettingers zu akzeptieren und die Diskussion um seine Trauerrede auf den kürzlich gestorbenen Filbinger zu beenden.

Oettinger war kurzfristig entgegen seiner ursprünglichen Planungen zu der Präsidiumssitzung nach Berlin gereist. Er entschuldigte sich auch bei den Angehörigen und Opfern des Nationalsozialismus. "Es war mir ernst, und es ist mir ernst."

Merkel sagte mit Blick auf die Aussage Oettingers: "Ich erwarte jetzt, dass die Entschuldigung gehört wird." Mit der Entschuldigung werde ermöglicht, dass über die Perspektiven der Opfer und der Verfolgten gesprochen werde. Dies liege ihr sehr am Herzen.

Zuvor hatte sich Oettinger bereits – wie Kritiker sagen: halbherzig – für die Äußerungen über seinen Vorgänger Hans Filbinger entschuldigt, nachdem seine ersten Erklärungsversuche auf heftige Kritik gestoßen waren: "Es war nie meine Absicht, die Verfolgten und die Opfer zu verletzen. Sollte das geschehen sein, tut es mir leid. Und dafür entschuldige ich mich auch", sagte der CDU-Politiker am Montag der Bild -Zeitung.

Er wies auch Vorwürfe zurück, er habe mit seinen Äußerungen am rechten Rand fischen wollen. "Das war und ist nicht meine Absicht. Wer mich kennt, weiß, dass ich aufgrund meiner politischen Grundhaltung und meiner Werte vom rechten Rand weit entfernt bin." Er finde es aber enttäuschend, dass inzwischen "eine differenzierte Betrachtung" kaum noch möglich sei.