Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger hat sich für Äußerungen über seinen Vorgänger Hans Filbinger entschuldigt, nachdem seine ersten Erklärungsversuche auf heftige Kritik gestoßen sind. "Es war nie meine Absicht, die Verfolgten und die Opfer zu verletzen. Sollte das geschehen sein, tut es mir leid. Und dafür entschuldige ich mich auch", sagte der CDU-Politiker am Montag der Bild-Zeitung. "Betroffen macht mich, wie mir unterstellt wird, ich hätte Hans Filbinger zum Widerstandskämpfer erklärt. Er war es nicht und ich habe das nie behauptet."

Vergangene Woche hatte Oettinger bei der Trauerfeier für den verstorbenen ehemaligen Ministerpräsidenten Filbinger als Gegner der nationalsozialistischen Diktatur gewürdigt. Seine Äußerungen bekräftigte Oettinger am Sonntag. Filbinger hatte als NS-Marinerichter Todesurteile mitgefällt und Exekutionen befohlen.

Oettinger weist nun Vorwürfe zurück, er habe mit seinen Äußerungen am rechten Rand fischen wollen. "Das war und ist nicht meine Absicht. Wer mich kennt, weiß, dass ich aufgrund meiner politischen Grundhaltung und meiner Werte vom rechten Rand weit entfernt bin." Er finde es aber enttäuschend, dass inzwischen "eine differenzierte Betrachtung" kaum noch möglich sei.

SPD und Grüne hatten Oettingers Erklärungsversuche als völlig unzureichend bewertet und in Zweifel gezogen, ob er Ministerpräsident bleiben könne. Der Zentralrat der Juden forderte seinen Rücktritt. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Oettinger zunächst in einem Telefonat und anschließend öffentlich für die Rede gerügt.

Zustimmung erhielt der CDU-Politiker am Samstag und Sonntag dagegen aus Kreisen der Südwest-CDU. So zitierte die Süddeutsche Zeitung am Montag den Chef der baden-württembergischen Landesgruppe im Bundestag, Georg Brunnenhuber, mit den Worten: " Für unsere Anhängerschaft hat er (Oettinger) einen ganz, ganz großen Schritt getan. Er hat ein Tor aufgestoßen. Das wird ein Großer." Der Fraktionsvorsitzende der baden-württembergischen Landtags-CDU, Stefan Mappus, bezeichnete die Diskussion als "in der Hauptsache ideologisch motiviert". An diesem Montag tagt in Berlin das CDU-Präsidium und wird sich voraussichtlich mit dem Fall beschäftigen.