Baden-Württembergs CDU-Landesgruppenchef im Bundestag, Georg Brunnhuber, lobte Oettingers Worte sogar als "Meisterprüfung". Die Wirkung für die "christlich-konservative Seele" sei nicht zu unterschätzen, so der Bundestags-Abgeordnete. "Für unsere Anhängerschaft hat er einen ganz, ganz großen Schritt getan. Er hat ein Tor aufgestoßen." Zur Kritik des Zentralrats der Juden an der Rede sagte Brunnhuber: "Überbordende Kritik des Zentralrats führt eher dazu, dass die Leute sagen, Oettinger hat Recht."

Der Regierungschef hatte Filbinger bei der Trauerfeier am Mittwoch bescheinigt, er sei "kein Nationalsozialist" gewesen, sondern "ein Gegner des NS-Regimes". Es gebe kein Urteil von Filbinger, "durch das ein Mensch sein Leben verloren" habe. Filbinger hatte Baden-Württemberg von 1966 an regiert. 1978 trat er zurück, nachdem mehrere Todesurteile gegen Deserteure bekannt geworden waren, an denen er als NS-Marinerichter gegen Ende des Zweiten Weltkriegs mitgewirkt hatte.

Merkel distanziert sich von Oettinger

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte Oettinger am Freitag ungewöhnlich direkt gerügt. Die Vize-Vorsitzende der Jungen Gruppe in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Julia Klöckner, nannte Merkels Rüge in der Mitteldeutschen Zeitung vom Samstag "gut für die Partei".

Nach Ansicht des Freiburger Politologen Ulrich Eith wird Oettinger aus der Auseinandersetzung innerparteilich gestärkt hervorgehen. "Mit seiner Rede hat Oettinger den konservativen Flügel der baden-württembergischen CDU bedient", sagte Eith. Der Regierungschef habe aus politischem Kalkül gehandelt, weil er den Respekt der Konservativen suche, meinte der Politikwissenschaftler.