Sie verbietet Versammlungen, da angeblich zuvor bereits der Demonstrationsantrag einer Putin-treuen Jungschar am selben Ort eingegangen sei, oder lehnt Protestmärsche wegen unumgänglicher Asphaltierungsarbeiten, der Störung des Autoverkehrs oder der Fußgänger auf dem Bürgersteig ab.

Ansonsten findet das Recht des Fußgängers im rüden Moskauer Verkehr und zwischen zugeparkten Gehwegen allerdings wenig staatliche Achtung. Und jedes Mal, wenn Präsident Putin von seiner Datscha in den Kreml fährt, bricht der Verkehr auf der Innenstadtroute wegen Vollsperrung zusammen.

Manche der Demonstranten, die zum "Marsch der Dissidenten" nach Moskau fuhren, fing die Polizei bereits auf dem Weg ab. Vorauseilend nahm sie in Gewahrsam, kontrollierte stundenlang Autobusse der Oppositionellen wegen angeblich defekter Bremsen oder hielt voll Ermittlungseifer potenzielle Demonstranten in einem Erholungsheim vor Moskau fest, da dort angeblich nachts geschossen worden sei.

Auf dem Puschkinplatz ging die Polizei mit Gewalt zur Sache. Sie nahm einen der Oppositionsführer, den früheren Schachweltmeister Garri Kasparow, Journalisten und mehr als 200 Demonstranten fest. Der energische Auftritt der Ordnungshüter mit Knüppeln machte nach Aussagen des oppositionellen Parlamentariers Wladimir Ryschkow auch vor Rentnern nicht halt. Ein japanischer Journalist erlitt Kopfverletzungen, und der Korrespondent der Radiostation Echo Moskwy wurde während der Live-Berichterstattung abgeführt. Die Vorwürfe der Staatsmacht wogen schwer: Mehrere Demonstranten sollen öffentlich Wörter der russischen Schimpfsprache benutzt haben, und Kasparow wurde gar das Rufen von Losungen gegen die Regierung angelastet.

Auf einer parallelen Demonstration durften russische Nationalisten unbeanstandet Moskau zur "russischen Stadt" ausrufen, allen "Okkupanten" den Tod wünschen und ein "großes Russland ohne Liberalisten, Räuber und Verräter" preisen.