"Wäre es richtig zu sagen: Lieber lasse ich zehn Anschläge passieren, als dass ich jemanden, der vielleicht keinen Anschlag begehen will, daran zu hindern versuche? Nach meiner Auffassung wäre das falsch", sagte Schäuble dem Magazin Stern .

Die Unschuldsvermutung zählt zu den Grundsätzen jedes Rechtsstaates. Danach hat jeder Verdächtige als unschuldig zu gelten, solange er nicht überführt und rechtskräftig verurteilt ist.

Der Innenminister hob hervor, dass er Folter strikt ablehne. Er nehme sie "auch nicht augenzwinkernd" hin. Wenn Nachrichtendienste jedoch Informationen über einen sehr gefährlichen Anschlag erhielten, wäre es nach seiner Ansicht "absurd", die Informationen nicht zu nutzen, weil "nicht ganz so zuverlässig wie bei uns garantiert ist, dass sie rechtsstaatlich einwandfrei erlangt wurden". Mit einer anderen Haltung "würde ich meiner Verantwortung für die Sicherheit der Menschen nicht gerecht", fügte der CDU-Politiker hinzu.

Bürgerrechtler und Oppositionspolitiker hatten Schäuble schon bei früherer Gelegenheit vorgeworfen, mit solchen Äußerungen Folter indirekt zu legitimieren und das strikte Folterverbot indirekt infrage zu stellen. Es untersagt nämlich auch, Informationen zu verwenden, die durch Folter - etwa in anderen Staaten - gewonnen wurden. Schäuble bereitet derzeit eine ganze Reihe von Gesetzen vor, um die Sicherheitsbestimmungen zu verschärfen, unter anderem zur Bekämpfung des Terrorismus.