Verbissen verhandeln die Deutsche Telekom und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di nun schon in der vierten Runde - doch bislang ohne Ergebnis. Es geht um die Zukunft von 50.000 Beschäftigten. Und darum, ob der Umbau des Bonner Konzerns gelingen kann, den sich der neue Vorstandsvorsitzende René Obermann vorgenommen hat.

An diesem Dienstag blieben die Gespräche wieder stecken, nicht zum ersten Mal. Wann sie wieder aufgenommen werden sollen, ist noch unklar. Die Telekom hatte ein neues Angebot vorgelegt, nach dem sie die Mitarbeiter in konzerneigene Gesellschaften ausgliedern will; weiterhin mit deutlichen Einkommenseinbußen. "Bei dem jetzigen Denkmodell ist eine Einigung völlig ausgeschlossen", konterte ver.di-Verhandlungsführer Lothar Schröder am Vormittag. Die Telekom-Aktie sank daraufhin weiter im Wert.

Nun muss abermals die Große Tarifkommission der Gewerkschaft beraten, wie es weitergehen soll. Die Chancen, dass der Konflikt bald gelöst sein wird, stehen nicht allzu gut. Inhaltlich seien sich die Parteien in den jüngsten Verhandlungen nicht näher gekommen, sagte Schröder und sprach von einer "katastrophalen Zumutung für die Beschäftigten". Die Vorschläge des Konzerns für die Gehälter betrachte er nicht als Angebot. Schröder wollte nicht ausschließen, dass beim Bundesvorstand die Urabstimmung beantragt werde, um über einen Streik zu entscheiden. In Hessen kam es am Dienstag unterdessen wieder zu Warnstreiks in Callcentern sowie bei Servicemonteuren und Netztechnikern.

Um die Gewerkschaft für ihren Plan zu gewinnen, hatte die Konzernführung eine zweijährige Verlängerung des Kündigungsschutzes für die auszugliedernden Mitarbeiter vorgeschlagen. Bis Ende 2010 ist der Konzern zudem bereit, auf den Verkauf der geplanten drei neuen Konzerngesellschaften mit dem Namen T-Service zu verzichten. Die Tarifpartner hatten bis spät in die Nacht zum Dienstag in Bonn zusammengesessen. Dabei sei es "zumindest ein Stück weit" um Inhalte gegangen, hatte ein Telekom-Sprecher gesagt. Der Konzern hatte ver.di ein Gesamtpaket vorgelegt, das auch Ausgleichsleistungen vorsieht. Die Gewerkschaft will jedoch vorrangig über einen umfassenden tariflichen Schutz für die Mitarbeiter sprechen.

Die betroffenen Service-Mitarbeiter sollen, so plant es das Telekom-Management, mindestens 38 statt bislang 34 Stunden arbeiten und weniger verdienen. Nun schlug die Telekom vor, die Gehälter über 30 Monate um insgesamt zwölf Prozent abzusenken. Berufsanfängern will der Konzern künftig 20.000 Euro jährlich statt bislang bis zu 34.000 Euro zahlen. Dafür sollten neue Arbeitsplätze "in signifikanter Höhe" geschaffen werden, schlug die Telekom vor.

Vorstandschef Obermann will mit dem Konzernumbau bis 2010 jährlich bis zu 900 Millionen Euro sparen und den Service verbessern, um das Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen. Die Telekom steht auf ihrem Heimatmarkt massiv unter Druck. So verlor die Festnetzsparte T-Com im vergangenen Jahr mehr als zwei Millionen Kunden. Die Ausgliederung ist nach Ansicht der Telekom die einzige Möglichkeit, um die Arbeitsplätze zu erhalten. Notfalls soll sie zum 1. Juli auch ohne Zustimmung der Gewerkschaft umgesetzt werden.

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