Der 1997 aufgelegte Natur-Aktien-Index (NAI) wird gerne als Beleg dafür angeführt, dass ökologisch wirtschaftende Unternehmen wirtschaftlichen Erfolg haben können. In den zehn Jahren seines Bestehens hat er seinen Wert mehr als vervierfacht. Damit hat er den konventionellen Index MSCI World stets deutlich übertroffen, den seine Macher als Vergleichsmaßstab gewählt haben. Auch den Dax schlägt er um Längen. Allerdings setzen sich diese beiden Indizes aus den Aktien großer Konzerne zusammen, während im NAI fast nur kleinere Unternehmen enthalten sind; und der Wert dieser Small Caps hat sich in jüngster Zeit an den Börsen besonders gut entwickelt, egal ob nachhaltig oder nicht. Ein Teil der Gewinne des NAI ist auch darauf zurückzuführen. 

"Der NAI sucht nicht nur nach Unternehmen, die eine Vorreiterrolle spielen, sondern übernahm selbst eine", urteilt die Stiftung Warentest in der Februar-Ausgabe ihrer Zeitschrift Finanztest. Auf dem NAI basiert der im Jahr 2000 aufgelegte Green Effects NAI-Wertefonds für Privatanleger. Er erwirtschaftet ähnlich gute Renditen. Auch andere Fonds, die sehr strenge ökologische und soziale Kriterien anlegen, verzeichnen häufig eine sehr gute Wertentwicklung. Beispiele dafür sind der Fonds "Ökovision" der zur Düsseldorfer Versiko AG gehörenden Oekoworld und der Pioneer Funds Global Ecology (vormals "Activest Lux Eco Tech") der Pioneer Investment Management aus München. Beide sind ebenfalls gut zehn Jahre alt.

Welche Unternehmen in den NAI aufgenommen werden, entscheidet ein Gremium aus Wissenschaftlern und Vertretern von Umwelt- und Menschenrechtsgruppen. Sie wollen ausschließlich in weltweit ökologisch, sozial und ethisch herausragende Unternehmen investieren; also in Unternehmen, deren Produkte und Dienstleistungen grundlegend und dauerhaft zur Lösung ökologischer und sozialer Probleme beitragen. Die nötigen Informationen erhält der Anlageausschuss von der Researchgesellschaft Imug in Hannover. Wer etwa schulpflichtige Kinder beschäftigt, Frauen oder Minderheiten diskriminiert, Gentechnik in der Landwirtschaft benutzt oder umweltschädliche Produkte herstellt, hat keine Chance. Daneben gibt es weitere Ausschlusskriterien. Nur 30 Titel haben es bislang geschafft, die NAI-Macher zu überzeugen.

Weil es für den NAI-Wertefonds keine große Vertriebsstruktur gibt, ist sein Volumen vergleichsweise klein. Nur rund 60 Millionen Euro sind in ihm angelegt. Die beiden strengen Wettbewerber haben mehr Kapital ein gesammelt: Der Pioneer Funds Global Ecology steht derzeit bei etwa 350 Millionen Euro, Ökovision bei rund 400 Millionen Euro.

Ein ganz anderes Konezpt als der NAI vertritt der Marktindex UBAI, den die Umweltbank auflegt. In ihn können Anleger nicht investieren; er ist als Gradmesser für den Erfolg von 31 deutschen Umweltaktien gedacht, worunter die Umweltbank vor allem Anteilsscheine von Solar- und anderen alternativen Energiefirmen versteht.

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