„Versicherungen und Finanzprodukte dürfen nicht nur der Jagd nach Rendite dienen“, sagt Thomas Martens. „Sie müssen einen Sinn haben. Krankenversicherungen sollten ihre Mitglieder frei wählen lassen, durch welche Therapieform sie gesund werden wollen. Geldanlagen haben Sinn, wenn sie dazu beitragen, die Lebensgrundlagen der Menschen dauerhaft zu verbessern“, sagt der Gründer und Chef des Hamburger Finanzdienstleisters Securvita. Im Angebot seines Unternehmens soll der Kunde solche sinnvollen Policen und Geldanlagen finden.

Das Geschäft hat mit der Sicherheit hat Martens während einer Lehre zum Versicherungskaufmann gelernt, später arbeitete er im Außendienst. Doch nicht alle Produkte, die er verkaufen sollte, schienen ihm wirklich nötig zu sein. Als eine neue Police vorgestellt wurde und er die Frage nach ihrem Sinn wagte, wurde er barsch zurechtgewiesen: „Sie sollen nicht nachdenken, sondern das Produkt verkaufen“, machte ihm ein Verkaufsleiter klar.

Martens kündigte, obwohl er gut verdiente, und gründete 1984 die Securvita. Was Selbstständigkeit bedeutet, hatte er bei seinen Eltern erfahren, die ein eigenes Friseurgeschäft betrieben. Zunächst bot Martens private Krankenversicherungen an, welche die Behandlung mit seriösen Naturheilverfahren erstatteten. Sobald das Gesetz es erlaubte, gründete er auch eine Krankenkasse, die Schul- und Naturheilkunde gleich behandelte.

Das war 1996. Ein Aufschrei der Branche war die Folge. Jahrelang kämpfte Martens für die rechtliche Anerkennung seines Angebots, gegen den Widerstand von Wettbewerbern und Verbote von Aufsichtsbehörden. „Unseren Kunden haben wir die versprochenen Leistungen trotz massiver Widerstände von Behörden immer konsequent erbracht“, sagt er stolz. Erst 2005 gab das Bundessozialgericht Martens Recht.

Ein Rebell war der Hamburger schon früher. Als Jugendlicher entdeckte er den Marxismus und schloss sich, ganz konsequent, einer marxistischen Jugendorganisation an. Bis zum Alter von 22 Jahren arbeitete er für diese Gruppe, zuletzt hauptamtlich, „bis ich die Antworten nicht mehr schlüssig fand und Selbstkritik vermisste“. Nur seine Ausbildung zum Versicherungskaufmann, die er auf Wunsch der Organisation begonnen hatte, schloss er ab. Mehr Fremdbestimmung kam für ihn nicht mehr in Frage. Statt Marx ist heute der Dalai Lama sein Vorbild, dessen Bildnis mit einigen Buddha-Statuen sein Büro schmückt. „In vielen Punkten liefert der Buddhismus schlüssige Antworten auf meine Fragen“, sagt er.

Vor genau zehn Jahren, im April 1997, brachte Martens den Natur-Aktien-Index (NAI) auf den Markt. Der Index gilt heute als einer der erfolgreichsten Gradmesser für den wirtschaftlichen Erfolg von ökologisch wirtschaftenden Unternehmen. Seit seiner Auflage hat er seinen Wert mehr als vervierfacht und den MSCI World als konventionellen, von den NAI-Machern gewählten Vergleichsindex permanent deutlich übertroffen. Ähnlich gut entwickelt sich die Rendite des auf dem NAI basierenden Green Effects NAI-Wertefonds für Privatanleger, der im Jahr 2000 aufgelegt wurde. Der Fonds investiert ausschließlich in NAI-Titel. Durch Martens’ Kompromisslosigkeit finden Privatleute, die ihr Geld guten Gewissens anlegen wollen, im NAI einen besonders strengen Ansatz, verantwortlich wirtschaftende Unternehmen auszuwählen.