Einen Tag vor dem Massaker an der Virginia Tech Universität fuhr der Autor von Charlottesville nach Washington - durch die "rolling hills of Virginia", wie ein fester Begriff die Landschaft dieses nördlichen Südstaates umschreibt - vorbei an Pferdekoppeln, weißen Lattenzäunen und schlanken Kirchtürmen. Unterbrochen wurde diese ländliche Idylle nur durch große Schilder, die in gewaltigen Lettern einen "Gun Shop" auswiesen. Diesseits von Texas und den Rocky-Mountain-Staaten ist es an der Ostküste nirgendwo leichter, sich einen Revolver, ein Automatik-Gewehr zu beschaffen als in Virginia.

Erklären die laxen Waffengesetze den Massenmord, wie so viele Sinnstifter als gleich räsonierten? Das wäre eine hübsche Instant-Deutung, wenn nicht ähnliche Fälle in Ländern mit scharfen Bestimmungen ebenfalls die Gemüter schockiert hätten:

- Japan hat eines der strengsten Waffengesetze der Welt, und doch ermordete im Juni 2001 ein gewisser Mamoru Takuma in einer Grundschule nahe Osaka acht Kinder. Mit einem Küchenmesser.

- Im Dezember 1989 stürmt Marc Lepine eine Schule in Montreal und erschießt 14 Frauen. Auch in Kanada wird der Waffenbesitz besonders scharf kontrolliert.

- In Schottland ermordet ein Amokschütze 1996, im März, 16 Kinder in einer Grundschule. Großbritannien ist berühmt für seine strengen Waffengesetze.