Das Päckchen des Todesschützen enthielt ein Video, Fotos und ein "Manifest". Darin äußert der 23-jährige Cho Seung-Hui unter anderem Hass gegen Reiche und sagt, dass das Blutbad mit 33 Toten am Montag in der Technischen Staatsuniversität vermeidbar gewesen wäre. Das Video des Amokläufers, von NBC in Teilen gesendet BILD

Der Sender, der das Päckchen am Mittwochmorgen erhielt und sofort das Bundeskriminalamt FBI informierte, strahlte am Abend Ausschnitte aus dem Video aus. Der Student, der sich nach dem Massaker das Leben genommen hatte, sagt in einer Szene: "Ihr habt mich in eine Ecke gedrängt... Jetzt müsst ihr damit leben, dass Blut an euren Händen klebt." Auf den Fotos ist Cho mit zwei Handfeuerwaffen zu sehen. Es sind vermutlich jene Waffen, die er bei dem Massaker benutzte.

NBC berichtete, das Päckchen sei am Montag um 9.01 Uhr bei einer Poststelle aufgegeben worden, etwa eine Stunde und 45 Minuten nach der ersten Schießerei und kurz vor dem folgenden Massaker. Weil es falsch adressiert war, traf es erst am Mittwoch beim Sender ein. Nach NBC-Angaben ist das 1800 Worte umfassende schriftliche "Manifest" über lange Strecken sehr ausschweifend und zum Teil nicht schlüssig. Die 27 Videoclips in der Postsendung zeigten einen Cho mit starken Stimmungsschwankungen - manchmal klinge er sanft, manchmal seien seine Äußerungen extrem aggressiv und mit Obszönitäten gespickt.

An mehreren Stellen gibt es offenbar verwirrte indirekte Anspielungen auf das geplante Blutbad. So sagt er in einem der ausgestrahlten Videoclips: "Ihr habt hundert Milliarden Chancen und Wege gehabt, heute zu verhindern. Aber ihr habt euch entschieden, mein Blut zu vergießen...".

Cho hatte am Montag in einem Studentenwohnheim der Universität in Blacksburg zunächst zwei Menschen getötet. Fast zweieinhalb Stunden später erschoss er weitere 30 Studenten und Lehrkräfte. Bis zum Bekanntwerden der Postsendung am Mittwochabend war darüber gerätselt worden, warum zwischen beiden Schießereien eine derart lange Zeit verstrich.

Wie amerikanische Medien unterdessen berichteten, wurde Cho 2005 von einem Sonderrichter des Staates Virginia für geistesgestört erklärt und im Dezember für kurze Zeit in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Der Sender CNN zitierte aus einem Gerichtspapier, in dem es heißt, Cho stelle eine Gefahr für sich selbst dar. Zudem wird die Feststellung eines Experten aufgeführt, der zufolge der junge Mann auch eine Gefahr für andere sei. Wie US-Medien berichteten, wurde Cho dann aber nach weiteren Gutachten wieder aus der Klinik entlassen.

Bereits zuvor hatten Dozenten und Mitstudenten berichtet, dass es vor der Bluttat viele Anzeichen auf ein gestörtes Verhalten Chos gegeben habe. So hatte sich unter anderem die Direktorin einer Abteilung wegen makabrer Gedichte und Theaterstücke voller Gewalt-, Sexual- und Todesfantasien an die Polizei gewandt.

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