Cho Seung-Hui lebte in dem Wohnheim, in dem er zwei Menschen tötete. Nach dem Amoklauf richtete er sich offenbar selbst: "Er schoss sich von hinten in den Kopf und sein Gesicht flog weg", berichtete ein Augenzeuge.

Langsam klärt sich, was in den Morgenstunden des Montag passiert ist: Den Augenzeugen zufolge war es weniger ein Amoklauf als ein kaltblütig geplanter Massenmord. Der Mann verübte seine Tat wortlos, in großer Ruhe und geradezu systematisch. Er war offenbar gut vorbereitet und wusste, was er tat. Er ließ seinen Opfern keine Chance zur Flucht und hatte die Türen des Unterrichtsgebäudes, in dem er schießend von Kurs zu Kurs ging, mit eisernen Ketten versperrt.

"Dieser Typ hatte ein klares Ziel, er wollte jeden, der ihm vors Visier kam, töten." So beschreibt der Arzt Joseph Cadioppo seinen Eindruck. Er arbeitet in der Notaufnahme des Krankenhauses, in dem die Verletzten eingeliefert wurden. "Alle Opfer hatten mehrere Schusswunden", sagt Cadioppo. "Selbst diejenigen mit den leichtesten Wunden hatten mehrere Schüsse abbekommen."

Der Amoklauf begann einem Mitstudenten zufolge nach einem Streit des Täters mit seiner Freundin. Der Schütze habe seine Freundin offenbar im Streit erschossen, berichtete am Dienstag ein taiwanesischer Student in einem Interview des taiwanesischen Kabelfernsehkanals CTI aus den USA. Einen Mann, der den Streit schlichten wollte, habe er ebenfalls getötet.

Nach dem Amoklauf schwebte vor allem eine Frage im Raum: Hätten Menschenleben gerettet werden können, wenn nach der ersten Schießerei, bei der zunächst zwei Menschen tödlich verletzt wurden, der Universitätsbetrieb eingestellt und der Campus gesperrt worden wäre?