Die Nachricht von der Bluttat am Montag hat eine Welle starker Gefühle in den Vereinigten Staaten ausgelöst, die sich am authentischsten im Internet zeigt. Eine Unzahl von Weblogs gibt der Trauer Ausdruck, auf dem Studentenportal Facebook haben sich an die 400 Gruppen gebildet, die meisten zu dem Zweck, Schrecken und Mitgefühl zu äußern. Und Präsidentschaftskandidaten umgeben ihre Websites mit einem Trauerrand.

Doch es wird bereits diskutiert: über das Verhalten der College-Leitung, die nach der ersten Attacke den Campus nicht evakuieren ließ, über die Waffengesetze und über die Medien. Die College-Leitung wird an diesem Dienstag ausführlicher Stellung nehmen, man darf gespannt sein, was auf http://www.vt.edu/tragedy zu lesen sein wird.

Klar sind bereits die Fronten auf dem umstrittenen Terrain der Waffengesetze. Auf dem Campus des Colleges war das Waffentragen verboten, andererseits hat der Bundesstaat Virginia eher laxe Waffengesetze. Diese beiden Punkte sowie die üblichen Argumente werden nun in Stellung gebracht. Die New York Times fordert „strengere Regelungen“, konservative Weblogs wiederum, auf denen Slate sich umgeschaut hat , geben dem Waffenverbot auf dem Unigelände die Schuld; wenn schon nicht jedermann, so sollte doch wenigstens jeder Lehrer bewaffnet sein dürfen. John Nichols von The Nation sieht das anders, er bloggt: Wer etwas über die Ursachen solcher Massaker erfahren will, solle sich auch um deren Randbedingungen kümmern. Ein guter Start sei es, sich noch einmal Michael Moores Bowling for Columbine anzusehen; es gebe eine Kultur der Waffengewalt in Amerika, die ein Teil des Problems sei.

Die interessantesten Überlegungen stellt indes das professionelle Weblog Politico an. Es erinnert daran, dass die Demokraten in den vergangenen Präsidentschaftswahlen vor allem im Süden mit dem Thema „gun control“ Probleme hatten. In den Südstaaten lag Al Gore zwar alles in allem bei 59 Prozent, doch unter jenen Wählern, in deren Haushalten sich Waffen befanden, nur noch bei 50 Prozent. „Seither zögern Demokraten, über Waffengesetze zu sprechen. Das Thema ist radioaktiv geworden“, schreibt Politico .

Schließlich: die Medien. Als informativ erwiesen sich die „news aggregators“ wie der Drudge Report , also jene Websites, die Inhalte anderer Sites zum Thema zusammenfassen. Auf CNN wurden in permanenter Wiederholung die Handy-Videos gezeigt, die ein Augenzeuge aufgenommen hatte. Blogger vom VT-Campus informierten die Weltöffentlichkeit, allen voran ntcoolfool , der den Montag indes mit einigen nachdenklichen Sätzen abschloss: „Bevor ich ins Bett gehe, möchte ich noch etwas über die Medien sagen. In ihrem Eifer, die Story zu bekommen und unsere Gedanken und Gefühle wiederzugeben, haben sie, wie es mir scheint, sich von unseren Emotionen ernährt wie blutsaugende Vampire. Ich stand an der kleinen, improvisierten Gedenkstätte und sah mich um; es war vielleicht ein Dutzend Leute da - fast alles Fotografen auf der Jagd nach einem guten Schnappschuss. Das würde mich nicht weiter stören, wenn sie respektvoll Distanz gehalten hätten, stattdessen aber bewegten sie sich hin und her und machten Dutzende von Bildern. Zwei Studenten hielten einander fest, mehrere Minuten lang, und ein Fotograf machte mehrere Bilder von ihnen, klick-klick-klick, drehte und wendete seine Kamera, damit die Welt die beiden auch ja aus der richtigen Perspektive sehen konnte, und zwar mitten ins Gesicht.“

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