Dem Präsidenten der Weltbank, Paul Wolfowitz, steht an diesem Wochenende eine unangenehme Frühjahrstagung von IWF und Weltbank bevor. Wolfowitz, der sich dem weltweiten Kampf gegen Korruption und Vetternwirtschaft verschrieben hat , scheint es mit den Regeln im eigenen Haus nicht immer ganz genau genommen zu haben. So wurde jetzt bekannt, dass ausgerechnet seine Lebensgefährtin, Shaha Riza, von der Weltbank sehr großzügig entlohnt wurde. Angeblich, so wird berichtet, wurde ihr Jahresgehalt von rund 132.000 Dollar auf gut 190.000 Dollar erhöht.

Zu großzügig sei diese Bezahlung, glaubt der Personalrat der Weltbank. Er verlangte nun offiziell einen Amtsverzicht des Präsidenten, weil er "das Vertrauen des Personals in seine Führungsrolle zerstört hat". "Er muss ehrenvoll handeln und zurücktreten", heißt es in einer Erklärung. Der Exekutivrat solle einen neuen Präsidenten suchen.

Wolfowitz selbst nahm nun Stellung zu den Vorwürfen: "Ich hätte mich aus den Verhandlungen völlig heraushalten sollen", sagte er und übernahm die Verantwortung für die Details der Versetzung seiner Partnerin. Wolfowitz ist auch dazu bereit, dem Rat Einblick in die Akten zu gewähren - allerdings in einer Art und Weise, in der das "Recht auf Vertraulichkeit gewahrt bleibt". Sogar einen Rücktritt schloss der Präsident nicht mehr aus. Allerdings will er diesen Schritt nur gehen, wenn das Exekutivdirektorium der Bank ihm dies nahe legt. Dort, so berichtet die Frankfurter Allgemeine , mache man sich schon ernsthafte Sorgen um den Ruf der Bank. Deren Verwaltungsrat beeilte sich unterdessen in der Nacht zum Freitag zu verbreiten, man habe der Gehaltserhöhung nie zugestimmt.

Als der oft als "Architekt des Irakkrieges" bezeichnete Wolfowitz vor zwei Jahren vom US-Verteidigungsministerium zur Weltbank wechselte , arbeitete Shaha Riza dort als Angestellte der Kommunikationsabteilung. Wegen ihrer engen Beziehung zum neuen Präsidenten des Hauses musste sie gemäß bankinterner Regel den Arbeitgeber wechseln - sie wurde dem Außenministerium ausgeliehen, aber weiter von der Weltbank bezahlt.
Die aktuellen Vorwürfe des Personalrates beziehen sich auf eine Beförderung am Tag ihres Jobwechsels sowie eine 7,5-prozentige Gehaltserhöhung 2006. Beide Entscheidungen sollen nicht in vollem Maß mit den Regeln der Weltbank übereinstimmen.

Im Haus von Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) verfolgt man die Untersuchung mit großer Sorge. "Der Vorgang muss umfassend aufgeklärt werden", heißt es in einer Stellungnahme des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. ( Mön, dpa )

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