Der internationale Druck nimmt zu, doch Paul Wolfowitz will bleiben. In der Affäre um die Beförderung seiner Freundin hat der Weltbank-Präsident Rücktrittsforderungen zurückgewiesen - nachdem er am vergangenen Freitag noch gesagt hatte, er werde sich zurückziehen, wenn es von dem Mitgliedsstaaten der Bank gefordert werde. Seine Aufgabe bei der Entwicklungshilfeorganisation sei wichtig, sagte Wolfowitz jedoch am Sonntag in Washington, "und ich beabsichtige, sie fortzuführen".

Kurz zuvor hatten die zuständigen Minister der Mitgliedsstaaten der Weltbank "große Sorge" wegen Wolfowitz' Verhalten geäußert. "Wir müssen sicherstellen, dass die Bank ihr Mandat effizient ausüben und ihre Glaubwürdigkeit und ihren Ruf genauso wie die Motivation der Beschäftigten bewahren kann", erklärten die Ressortchefs.

Die deutsche Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul legte Wolfowitz am Samstag beim Treffen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds in Washington indirekt einen Rücktritt nahe. Wieczorek-Zeul berichtete, bei den Gesprächen auf der Tagung sei "immer wieder die Sorge um den Zustand und das Ansehen der Weltbank geäußert worden". Am Rande der Beratungen seien auch Rufe nach einem Rücktritt von Wolfowitz laut geworden. Der spanische Wirtschaftsminister Pedro Solbes sagte, gerade die Weltbank müsse strengen Führungskriterien gerecht werden, weil sie "diese bei anderen Ländern selbst einfordert". Von britischer Seite hieß es, Wolfowitz habe das Ansehen der Bank mit seinem Verhalten beschädigt. Die USA, Japan und mehrere afrikanische Vertreter hatten sich dagegen hinter Wolfowitz gestellt.

Wolfowitz hatte zugegeben, seine Freundin Shaha Riza kurz nach seinem Amtsantritt 2005 bevorzugt zu haben. Riza wurde zwar dem US-Außenministerium zugeordnet, um einen Interessenkonflikt zu vermeiden. Die Weltbank-Beschäftigten werfen dem ehemaligen US-Vizeverteidigungsminister aber vor, er habe das Gehalt seiner Freundin bei einer Beförderung doppelt so stark erhöht, wie es die Regeln der Institution erlauben.

Unterdessen verlangte die Weltbank während ihrer Frühjahrstagung am Wochenende von Schwellenländern stärkere Anstrengungen zur Verringerung klimaschädlicher Treibhausgase. Besonders China, Indien, Brasilien oder Mexiko stünden hier zunehmend in der Verantwortung, sagte am Sonntag der Chef-Volkswirt der Weltbank Francois Bourguignon. Aus diesen wirtschaftlich schnell wachsenden Ländern würde bis 2020 der Großteil der ansteigenden Emissionen kommen, während die Industriestaaten ihren Anteil am Treibhausgas-Ausstoß bis dahin weiter auf 50 von derzeit 60 Prozent senken wollten.

Bourguignon zufolge liegt der Schlüssel dazu für die Schwellenländern darin, die Energieeffizienz zu steigern - etwa durch modernere Formen der Energiegewinnung statt veralteter Kohlekraftwerke. Die Schwellenländer hätten dabei sehr viel Handlungsspielraum, ohne dass sie dabei gezwungen wären, ihre industrielle Produktion einzuschränken. Die Weltbank hat dazu ein spezielles Programm aufgelegt, für das in den vergangenen drei Jahren sieben Milliarden Dollar zur Verfügung standen. Die Fördergelder könnten in den kommenden drei Jahren auf über zehn Milliarden Dollar anwachsen.

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