"Vor ungefähr zehn Tagen" habe er erstmals mit Michael Buback, dem Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts, telefoniert, sagte Peter-Jürgen Boock dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel . Angesichts der Diskussion über eine Begnadigung des für den Buback-Mordes verurteilten Christian Klar habe er zur Aufklärung beitragen wollen: "Ich wollte Michael Buback erzählen, dass nicht Klar seinen Vater erschossen hat."

Nach Darstellung Boocks gehörten zu der Gruppe, die Buback ermordete, die RAF-Mitglieder Günter Sonnenberg und Stefan Wisniewski. Klar habe möglicherweise das Fluchtfahrzeug besorgt und gefahren, aber weder die Ausbildung noch die Fähigkeit besessen, vom Motorrad aus die Schüsse auf Buback und seine Begleiter abzugeben. Bislang gilt als gesichert, dass neben Klar die inzwischen freigelassenen Terroristen Sonnenberg und Knut Folkerts für das Buback-Attentat verantwortlich waren. Laut Boock wurde Folkerts aber zu Unrecht wegen der Teilnahme an diesem Anschlag verurteilt. Folkerts hat bisher zu seiner Tatbeteiligung geschwiegen.

Die Darstellung Boocks wird von Erkenntnissen des Bundesamtes für Verfassungsschutz und des Bundeskriminalamtes gedeckt. Den Behörden lägen von den Ex-Terroristinnen Verena Becker und Silke Maier-Witt glaubhafte Schilderungen vor, wonach Folkerts an dem Attentat nicht beteiligt war. Um ihre Quellen nicht preisgeben zu müssen, hätten die Ermittler ihr Wissen aber nicht weitergegeben. Die ehemalige RAF-Angehörige Verena Becker hat laut "Spiegel" dem Verfassungsschutz bereits Anfang der 80er Jahre verraten, dass Stefan Wisniewski vom Soziussitz eines Motorrades die tödlichen Schüsse auf Buback abgegeben haben soll. Wisniewski war 1981 unter anderem wegen der Entführung und Ermordung von Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer zu zweimal lebenslänglich verurteilt worden und kam 1999 frei.

Schon seit 1990 hat das Bundeskriminalamt (BKA) dem Bericht zufolge ernstzunehmende Hinweise darauf, dass der 1980 wegen des Buback-Mordes zu lebenslanger Haft verurteilte Knut Folkerts sich am Tattag nicht in Deutschland aufgehalten hat. Das Magazin beruft sich dabei auf ihm vorliegende Vernehmungsprotokolle der 1980 in der DDR untergetauchten und später enttarnten Ex-RAF-Angehörigen Silke Maier-Witt. Danach hat sie den Angaben zufolge 1990 ausgesagt, Folkerts habe am 7. April 1977, dem Tattag, auf der niederländischen Seite der deutsch-holländischen Grenze in einem Auto auf sie gewartet und nach Amsterdam gefahren. (tso/ddp/dpa)

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