Rund 30 Jahre nach der Ermordung von Generalbundesanwalt Siegfried Buback durch die RAF werden die Ermittlungen zu dem Attentat wieder aufgenommen. Sie richten sich gegen den früheren RAF-Terroristen Stefan Wisniewski, teilte Generalbundesanwältin Monika Harms am Mittwoch in Karlsruhe mit. Zugleich räumte die Behörde ein, einzelne Bundesanwälte hätten bereits in den achtziger Jahren Hinweise auf eine mögliche Beteiligung Wisniewskis an dem Mord erhalten. Diese seien aber gerichtlich nicht verwertbar gewesen.

Nach den Äußerungen des Ex-Terroristen Peter-Jürgen Boock bestehe seit Montag ein "Anfangsverdacht", dass Wisniewski im April 1977 die tödlichen Schüsse auf Buback und seine beiden Begleiter abgegeben habe, sagte Harms. Für das Attentat war Wisniewski nie angeklagt worden. Boock sowie der Stuttgarter Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger und Michael Buback, Sohn es ermordeten Generalbundesanwalts, sollen in den nächsten Tagen als Zeugen vernommen werden. Dabei wollen die Ermittler klären, ob Boock eigene Erkenntnisse oder nur Wissen "aus zweiter Hand" über den Buback-Mord hat.

Harms wies den Verdacht zurück, dass das Bundeskriminalamt (BKA) und der Verfassungsschutz der Bundesanwaltschaft damals wichtige Hinweise vorenthalten hätten. Für diese Vorwürfe gebe es "nach derzeitigem Stand der Dinge" keinen Anlass. Laut Spiegel soll die Ex-RAF-Terroristin Verena Becker dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) schon Anfang der achtziger Jahre Wisniewski als Todesschützen beim Buback-Mord genannt haben. Nach Informationen von Spiegel Online soll auch das Innenministerium bereits 1982 Hinweise auf eine mögliche Beteiligung Wisniewskis erhalten haben.

Ohne den Namen Verena Becker zu bestätigen, sagte Bundesanwalt Rainer Griesbaum: "Es gibt allerdings konkrete Anhaltspunkte, dass einzelne Bundesanwälte, die schon seit Jahren nicht mehr im Dienst sind, davon Kenntnis erlangt haben, und zwar im Rahmen einer umfassenden Unterrichtung über Strukturen der RAF." Die Hinweise auf Wisniewski seien nur als Hintergrundinformation für einen kleinen Kreis gedacht und ausdrücklich nicht vor Gericht verwertbar gewesen. Zudem hätte der Beweiswert der "dürftigen Informationen", der damals bereits zu lebenslanger Haft verurteilte Wisniewski sei der Schütze gewesen, für eine Anklage nicht ausgereicht.

Auf die Urteile gegen die beiden verurteilten Buback-Attentäter Christian Klar und Knut Folkerts haben die neuen Erkenntnisse aus Sicht der Ermittler keinen Einfluss. "Christian Klar war von der Bundesanwaltschaft seinerzeit nicht als Schütze angeklagt und wurde vom Oberlandesgericht auch nicht als Schütze verurteilt", sagte Harms. "Er wurde als Mittäter verurteilt und an dieser Bewertung ändert sich nach derzeitiger Sachlage nichts."

Auch von einem Alibi für Folkerts kann nach Griesbaums Worten "keine Rede sein". Die im Spiegel zitierte Aussage der Ex-Terroristin Silke Maier-Witt, Folkerts habe sie am Abend des Buback-Mordes an der deutsch-holländischen Grenze abgeholt, kenne man seit 1990. Zum einen hätte Maier-Witt ihre Aussagen "in Substanz und Beständigkeit variiert", zum anderen sei es auch schon damals kein Problem gewesen, zwischen Vormittag und Abend vom Anschlagsort Karlsruhe nach Holland zu fahren.