Kreditderivate sind für Banken eine feine Sache. Die Finanzhäuser vergeben Kredite gegen Zinsen und tragen im Gegenzug das Risiko, dass ein Schuldner auch mal ausfällt. Um dieses Ausfallrisiko zu senken, können sie es auf einen Dritten übertragen, der für seine Dienste eine Prämie von der Bank erhält - das ist das Prinzip eines Kreditderivates. Der Darlehensnehmer selbst bekommt von solchen Geschäften oft gar nichts mit.

Technisch gesehen kann das Risiko auf zwei Arten weitergegeben werden: Entweder ähnlich wie bei einer Versicherung, dann zahlt die Bank dem Sicherungsgeber eine Prämie dafür, dass dieser die ausgefallenen Schulden übernimmt, falls der Kreditnehmer sie nicht zurückzahlen kann. Oder das Institut borgt sich über spezielle Anleihen Geld und macht die Rückzahlung der Summe davon abhängig, dass bestimmte Kredite nicht ausfallen.

Im Gegensatz zu Kreditversicherungs-Policen können Kreditderivate am weltweiten Kapitalmarkt gehandelt werden. Deshalb war es nur eine Frage der Zeit, bis sie über Hegde-Fonds und institutionelle Investoren den Weg in die Portfolios privater Anleger finden. Nun ist es soweit: Einige Banken bieten ihren Privatkunden Anleihen an, die nichts anderes sind, als in klangvolle Namen verpackte Kreditderivate.

Zum Beispiel die "Synthia-12-Plus"-Anleihe der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW): Das Papier bringt bei einer Laufzeit von einem Jahr und 72 Tagen eine Jahresrendite von 3,3 Prozent, sofern der Energieversorger E.on oder der Industriegaskonzern Linde nicht zahlungsunfähig werden. Geht eines der Unternehmen pleite oder muss wegen finanzieller Engpässe eine Umschuldung vorgenommen werden, darf die LBBW bei Fälligkeit statt des Nennwertes der Synthia-Anleihen dem Anleger Anleihen des betreffenden Unternehmens ins Depot schieben.

Ähnlich gestrickt ist die "Cobold-73"-Anleihe der DZ-Bank. Hier gibt es jährlich 4,65 Prozent bei fünf Jahren Laufzeit, wenn bis dahin keiner der darin enthaltenen Schuldner - Metro, ThyssenKrupp, France Telecom, Volkswagen und Deutsche Telekom - einen Zahlungsausfall oder eine Neustrukturierung der Schulden verursacht. Dann nämlich gilt wie bei der LBBW die Regel, dass der Anleger auf den faul gewordenen Anleihen des Pleitekandidaten sitzen bleibt.

Nun geht es hier nicht darum, Konkurse von Dax-Konzernen heraufzubeschwören. Ein gewisses Ausfallrisiko hat der Anleger schließlich auch dann, wenn er direkt in Anleihen der betreffenden Unternehmen investiert. Es gibt jedoch einen wichtigen Unterschied: Auf den ersten Blick scheint es nämlich so, als würde mit diesen Papieren das Risiko auf verschiedene Unternehmen verteilt -  dabei verhält es sich genau umgekehrt. Je mehr Unternehmen im Korb sind, umso größer wird das Ausfallrisiko für den Inhaber des Kreditderivates. Schon ein einzelner Ausfall hat zur Folge, dass die gesamte Anleihe zu Finanzschrott wird.