Einen Tag nach dem Mord an drei Christen in einem Bibelverlag im ostanatolischen  Malatya haben laut Medienberichten vier tatverdächtige Türken die Bluttat gestanden. Die jungen Männer im Alter von 19 und 20 Jahren waren am Mittwoch noch am Tatort gefasst worden. Als Motiv für den Überfall gaben sie religiös-nationalistische Motive an. "Wir haben dies nicht für uns, sondern für das Vaterland und unseren Glauben getan", zitierte die Zeitung Hürriyet die vier Türken. "Den Feinden des Glaubens möge dies eine Lehre sein."

Weitere Festnahmen in diesem Zusammenhang erfolgten nach Polizeiangaben am Donnerstag. Insgesamt säßen jetzt zehn Personen hinter Gittern. Ohne weitere Einzelheiten zu nennen, sagte Provinzgouverneur Halil Ibrahim Dasöz, alle Männer seien "in derselben Altersgruppe".

Bei dem Anschlag am Mittwoch waren zwei türkische Mitarbeiter des kleinen christlichen Verlags Zirve und ein Deutscher brutal ermordet worden. Der 46-jährige Tilmann G. hatte in Malatya für eine Beraterfirma als Übersetzer gearbeitet. Wie türkische Medien berichteten, lebte er mit Frau und drei Kindern seit 2003 in der Stadt. Die Firma Silk Road Consulting, die in der Türkei Übersetzerdienste und Sprachunterricht anbietet, weist ihn auf ihrer Website als einen von drei Mitarbeitern in Malatya aus.

Vertreter der protestantischen Kirchen in der Türkei erhoben unterdessen schwere Vorwürfe gegen Staat, Parteien und Medien. "Einige (...) zeigen eine kein Ende findende Feindschaft auf die Christen und hetzen unser Volk auf", sagte Bedri Peker, Präsident des Bundes der Protestantischen Kirchen der Türkei. Christen würden als "potenzielle Straftäter und Vaterlandsverräter" gesehen. Ihsan Özbek, Vorsitzender des Kurtulus Klisesi, einem Verein protestantischer Freikirchen in Ankara, dem auch die kleine Gemeinde in Malatya angehört, sprach von einer "Hexenjagd wie im Mittelalter". Die Zahl türkischer Protestanten in der Türkei wird auf einige wenige Hundert geschätzt.

Türkische Medien zogen Parallelen zu der Ermordung des türkisch-armenischen Journalisten Hrant Dink im Februar in Istanbul und dem Mord an einem italienischen katholischen
Priester, der Anfang 2006 in seiner Kirche in der Stadt Trabzon am Schwarzen Meer hinterrücks erschossen wurde.

Auf politischer Ebene sorgt man sich um den Ruf der Türkei in der Welt.  Außenminister Abdullah Gül sagte: "Es bereitet uns großes Unbehagen, dass das Ansehen unseres Landes im Ausland beschädigt wird." Der Anschlag sei gegen "den inneren Frieden, die Tradition der Toleranz und gegen die Stabilität der Türkei" gerichtet, sagte Gül. "Wir verurteilen ihn aufs Schärfste." Bereits am Mittwochabend hatte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan die Morde als "Akt der Grausamkeit" verurteilt.