Am Donnerstag tagte der Finanzausschuss des Landtages von Nordrhein-Westfalen, um etwas Licht in die Affäre zu bringen. Dabei geriet Thomas Fischer, der Chef der WestLB, in die Kritik. Er weiche wesentlichen Fragen aus, warfen Oppositionspolitiker von SPD und Grünen dem obersten Landesbanker vor. So habe er auf der Bilanzpressekonferenz der Bank vor wenigen Wochen kein Wort über die erheblichen Risiken im Eigenhandel verloren und gebe bis heute keine Auskunft über das Ausmaß der Verluste, welche die Bank erlitten hat. In Presseberichten wurden diese Verluste auf 100 Millionen Euro geschätzt.

Landes-Finanzminister Helmut Linssen (CDU) stellte sich dagegen vor Fischer. Der Eigenhandel - also der Handel mit Wertpapieren auf eigene Rechnung und eigenes Risiko, in dem die Mitarbeiter der WestLB sich so sehr verspekulierten - sei ein übliches Bankgeschäft, und auch eine andere große Bank habe im vergangenen Jahr in diesem Bereich vorübergehende Verluste verzeichnet. Die WestLB AG werde Ende Mai in ihrem Bericht zum ersten Quartal 2007 auf die Vorgänge im Eigenhandel eingehen.

Er schloss aber nicht aus, dass am Ende der Ermittlungen die Strategie der West LB überdacht werde. Das Land ist direkt und indirekt mit knapp 38 Prozent an der WestLB AG beteiligt. Die Aktienmehrheit halten zusammen Sparkassenverbände.

Fischer hatte entgegen anderslautender Meldungen an der Anhörung teilgenommen. Er kündigte wiederholt eine rückhaltlose Aufklärung der Vorgänge an. "Es gibt keine Mauer des Schweigens. Wir werden alle diese Vorgänge lückenlos aufklären, ohne Ansehen der Person", sagte er - und verteidigte sich: Der Vorstand habe schnell reagiert und selbst Anzeige gegen die beiden inzwischen entlassenen Mitarbeiter im Aktienhandel gestellt. Dabei gehe es um Limitverstöße gegen die internen Vorgaben. Wegen der laufenden Ermittlungen durch die Bankenaufsicht BaFin und die Staatsanwaltschaft könne er sich öffentlich jetzt nicht näher äußern.

Der WestLB-Chef bekräftigte den Verdacht, es habe kriminelle Handlungen Einzelner gegeben. "Die WestLB ist nicht nur Opfer von Fehlhandlungen geworden, sondern Opfer von mehr", betonte Fischer. Deshalb seien die Staatsanwalt und Polizei eingeschaltet worden.

"Wir haben die Sorge, dass die Informationen so verschmutzt waren, dass das Risikomanagement unterlaufen wurde", erklärte Fischer. Er kündigte eine umfassende Information des Aufsichtsrats der WestLB an, der in der kommenden Woche über die Vorgänge im Eigenhandel der Bank beraten wird.