Heidemarie Wieczorek-Zeul, Ministerin für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit, hat am Montag ihre Kritik an Weltbankpräsident Paul Wolfowitz wiederholt und ihm abermals nahegelegt, sein Amt aufzugeben. "Jeder weitere Tag, den diese Situation andauert, bedeutet die Gefahr, dass weitere fähige Weltbank-Mitarbeiter abwandern", sagte Wieczorek-Zeul zu ZEIT online. Deshalb wäre es ein großer Dienst an der Bank, wenn sich der Präsident zurückziehe, "je schneller, desto besser".

Wieczorek-Zeul wiederholte damit eine Forderung, die sie am Morgen in der Financial Times Deutschland gestellt hatte und der sich die Bundesregierung offenbar zunächst nicht vollständig anschließen wollte. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm war am Montagvormittag zwar ebenfalls von Wolfowitz abgerückt, hatte aber darauf verwiesen, dass zunächst die Untersuchungen gegen den Präsidenten innerhalb der Weltbank abgewartet werden müssten. Am Freitag hatte deren Exekutivdirektorium beschlossen, einen Untersuchungsausschuss einzusetzen. Es geht um die Frage, ob Wolfowitz seiner Geliebten zu Unrecht einen hoch dotierten Job im amerikanischen Außenministerium zugeschustert hat .

Eine Gruppe von 42 hochrangigen früheren Weltbank-Managern hatte Wolfowitz zuvor ebenfalls zum Rücktritt gedrängt. "Wir glauben, dass er nicht mehr wirkungsvoll führen kann", heißt es in einem Schreiben an die Financial Times , wie diese am Montag berichtete. "Es gibt nur noch eine Möglichkeit, wie Wolfowitz dem Auftrag der Bank dienen kann: Er sollte zurücktreten." Das Schreiben ist unter anderem von Wolfowitz' ehemaligem Stellvertreter Shengman Zhang unterzeichnet.

In dem Schreiben der Ex-Weltbank-Manager, heißt es weiter: "Er hat das Vertrauen und den Respekt der Bank-Mitarbeiter auf allen Ebenen verloren, eine Spaltung unter den Top-Managern provoziert, ein angespanntes Verhältnis zum Direktorium entwickelt, seine eigene Glaubwürdigkeit beim Thema Regierungsführung - seinem Paradethema - beschädigt und einige wichtige Anteilseigner entfremdet."

Wieczorek-Zeul sagte, sie sehe sich in ihrer Forderung auf der gleichen Linie mit dem britischen Entwicklungsminister Hilary Benn. London hatte schon während der Frühjahrstagung der Weltbank vor knapp zwei Wochen geäußert, Wolfowitz habe das Ansehen der Bank mit seinem Verhalten beschädigt. "Ich möchte vor allen Dingen die Integrität der Weltbank schützen", sagte Wieczorek-Zeul. Ein Sprecher ihres Ministeriums fügte hinzu, die Glaubwürdigkeit der Institution Weltbank und Wolfowitz' sei durch die Affäre in Zweifel gezogen.

Auch Regierungssprecher Wilhelm sagte, die Bundesregierung erwarte, dass eine Lösung gefunden werde, die den "anerkannt hohen Prinzipien" der Weltbank entspreche. Diese müsse eine Organisation bleiben, die effektiv und mit Autorität in Erscheinung treten könne.

Wieczorek-Zeul betonte außerdem: "Dies ist kein Konflikt mit den USA." Natürlich liege es wie üblich bei den Vereinigten Staaten, im Falle eines Rückzugs des Präsidenten einen Nachfolger vorzuschlagen. Bislang hält Washington allerdings an Wolfowitz fest.
Wieczorek-Zeul ist in der Bundesregierung zuständig für die Weltbank, der sie als Gouverneurin angehört. Deutschland gehört mit Großbritannien und Frankreich nach den USA zu den größten Anteilseignern. ( kpm./reuters )

Zum Thema
Wolfowitz’ zweiter Feldzug - Alle reden über den Skandal um den Weltbank-Präsidenten. Sie sollten auf seine Politik schauen "

Muss Weltbank-Präsident Paul Wolfowitz zurücktreten? Dem Architekt des Irakkriegs und Vorkämpfer gegen Korruption wird Vetternwirtschaft vorgeworfen "