Es gibt Sportler, die können einfach nicht gewinnen. Tragische Helden, die immer dann scheitern, wenn es drauf ankommt. Der Basketballer Dirk Nowitzki von den Dallas Maveriks gehört dazu und auch der Bremer Stürmer Miroslav Klose. Wann immer es in einem entscheidenden Spiel um die Wurst geht, treffen sie das Tor oder den Korb nicht mehr. Die ganze NBA-Saison traf the German Wonderboy die Körbe, wie er wollte. Doch als Dallas am vergangenen Donnerstag gegen die Golden State Warriors zur Entscheidungsschlacht antrat, da versagte Nowitzki und das nicht zum ersten Mal.

Und kann sich noch jemand an den WM-Torschützenkönig erinnern? Bis zum Viertelfinale traf Miroslav Klose wie ein Weltmeister, doch als es dann gegen Italien drauf ankam, ward er vor dem Tor nicht mehr gesehen. Im Bremer Weserstadion spielte Klose in dieser Saison eine tadellose Hinrunde, die Fans besangen ihren "Fußballgott". Doch als es ernst im Meisterschaftskampf wurde, reihte sich bei ihm ein Blackout an den nächsten. Immerhin, der Mittelstürmer der Bremer stand am Sonntag in Berlin bis zu seiner Auswechslung in der 85. Minute auf dem Platz. Er verabschiedete sich anders als gegen Barcelona nicht mit einer Schwalbe und er verhandelte in der Halbzeitpause auch nicht mit Bayern-Manager Uli Hoeneß. Mit dem Ball allerdings konnte Klose im Olympiastadion wenig anfangen. Die vier Bremer Tore schossen andere, drei Mal traf allein sein Stürmerkollege Markus Rosenberg.

Womit wir beim Titelkampf wären. Werder Bremen bleibt trotz Klose weiter im Rennen. Aber auch die Schalker hatten am Samstag ihre Nerven wieder im Griff. Kevin Kuranyi hielt gegen Nürnberg im entscheidenden Moment seinen Kopf in eine Flanke von Hamit Altintop. Stuttgart war gegen den So-gut-wie-Absteiger Mainz überhaupt nicht gefordert. Die Ein-Punkt-Abstände bleiben, nichts ist entschieden.

Am Tabellenende hingegen lichten sich die Reihen. Nach Mönchengladbach ist auch Mainz ist so gut wie weg. Lediglich drei Teams kommen für den dritten Abstiegsplatz infrage, wobei Aachen den schwersten Stand hat. Plötzlich gibt es in der Liga wieder etwas, was es seit zehn Spieltagen nicht mehr gab: Ein richtiges Mittelfeld. Gleich fünf Mannschaften hoffen noch auf eine verkürzte Sommerpause und wollen sich für den Uefa-Intertoto-Cup qualifizieren. Aber welcher Fußballfan blickt dieser Tage schon auf den Bauch der Tabelle? Wo es doch im Kampf um die Meisterschaft ein Herzschlagfinale geben könnte. Es herrscht Spannung pur und es stellt sich mehr denn je die Frage, wer oder was entscheidet die Meisterschaft.

Sind Klose, Kuranyi und Cacau die Entscheidungsträger? Wiese, Neuer oder Hildebrand? Ist es die Tagesform oder der Laktat, sind es die Schiedsrichter oder die Nerven? Psychologie ist vermutlich alles. Müssen die Profis in dieser Woche also auf die Couch? Was haben die Vereine nicht schon alles versucht: Mentaltraining, Trainingslager, Hypnose. Seelenklempner ließen Spieler über glühende Kohlen laufen oder mit giftigen Spinnen spielen, damit sie lernen, über ihre Grenzen zu gehen oder ihre Nerven im Zaum zu halten. Es gibt aber auch ein einfaches Rezept. Dänemark zum Beispiel wurde vor 15 Jahren völlig überraschend Europameister. In der Vorbereitung aßen sich die Spieler mit Pommes Rotweiß und Hamburgern satt. Das geht also auch.

Bislang ist nicht bekannt, dass in Gelsenkirchen, Stuttgart oder Bremen das Fastfood knapp geworden wäre. Unabhängig davon spricht vieles für die Meisterschaft des VfB Stuttgart. Dessen Spieler haben in der Saison nie und nimmer damit gerechnet, im Titelkampf eine Rolle zu spielen. Das macht locker. Vielleicht aber kann auch Schalke 04 den Zielsprint von vorne anziehen, wie ein selbstbewusster Mittelstreckenläufer. Beim Radrennen hingegen wäre es einfacher, den Sprint von hinten anzuziehen, aus dem Windschatten der Tempomacher. Das wäre dann die Chance für Werder Bremen.